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Schreiben in Residenz

Die Hingabe ans Staunen ist essenziell

Michael Fehr im Sangam House, Indien, Januar 2017

Der Palast von Bangalore, Indien

Michael Fehr

Michael Fehr © Franco Tettamanti
Michael Fehr (*1982) studierte am Schweizerischen Literaturinstitut Biel und am Y Institut der Hochschule der Künste Bern. Er ist Erzähler und lebt in Bern. «Kurz vor der Erlösung» (2013), «Simeliberg» (2015) und «Glanz und Schatten» (2017) sind seine Buchpublikationen.

Er ist Mitgründer von Babelsprech zur internationalen Förderung junger Poesie und war bis 2015 Teil der Projektleitung. Ausserdem ist er seit 2013 Juror des Literaturwettbewerbs Treibhaus.

Ich habe als Schriftsteller und Performer einen Monat in Indien und Sri Lanka verbracht. Der angehängte Text ist ein Beispiel für Komposition aus Wahrgenommenem und Assoziationsstrom. Meine Wahrnehmung ist wichtige Zuträgerin meiner Gedanken und meiner sich aus diesen hinaus verselbstständigenden Fantasie, die mir wiederum heilig ist, weil sie mich über das aus Erfahrung Erlernte, Begriffene und Beherrschte hinaus beweglich und also lebendig macht.

Die Hingabe ans Staunen ist dabei essenziell, weil im Staunen noch vor der Einschätzung, Beurteilung der Lage und der entsprechenden Reaktion darauf eben die Lage nur in der Offenheit ihres Potenzials erscheint und eben noch nicht in einer abgeschlossenen Bestimmtheit. Umso mehr halte ich die Reise für einen essenziellen Bestandteil schriftstellerischer Tätigkeit, weil sie durch das bewusste Aufsuchen von Ungewohntem ins Staunen versetzt, welches sich eben in einer offeneren Erfahrung niederschlägt, welche in Fantasie umzuschlagen vermag, aus welcher sich eine Geschichte ergiesst, welche sich erzählen lässt und zum Nachlesen ein Buch ergibt. Weder Geschichte noch Buch sind selbstgerecht, sondern gemacht, jemandem etwas darzulegen und zu entfalten, wonach er oder sie gerade sucht oder dass ihn oder sie gerade im rechten Moment erreicht.

Text von Michael Fehr (PDF)

Aufenthalt im Sangam House, Bangalore, Indien

Michael Fehr konnte mit der Unterstützung von Pro Helvetia New Dehli im Januar 2017 einen vierwöchigen Aufenthalt im Sangam House in Bangalore verbringen. Im Rahmen dieser Residenz konnte Michael Fehr am Galle Literary Festival 2017 in Sri Lanka auftreten.