Unsere Büros und Partner weltweit

Drei unserer Verbindungsbüros feiern runde Jubiläen.
Zu den Feierlichkeiten

Fotobücher

Schweizer Fotobücher in Moskau

«Swiss Photobook Today» © The Lumiere Brothers Center for Photography

Fotobücher

Zum Dossier

Das Photobookfest in Moskau ist eine Plattform für zeitgenössische, internationale Fotografie und ein Festival für Fotobücher. Mit der Ausstellung «Swiss Photobook Today: from the Amazon to the Vienna Ball» war dieses Jahr auch die Schweiz in Russland vertreten.

Vom 20. April bis zum 3. Juni fand das Photobookfest in Moskau statt, welches sich unter anderem mit der Frage nach dem Potenzial von Fotobüchern als autonome Kunstform auseinandersetzte. In diesem Rahmen wurde eine Auswahl von zwanzig Fotobüchern, die von Pro Helvetia unterstützt wurden, in der Ausstellung «Swiss Photobook Today: from the Amazon to the Vienna ball» präsentiert. Darunter waren internationale Publikationen wie « Le Livre de la Jungle : Histoires contemporaines de l’Amazonie et de ses périphéries » von Yann Gross (Actes Sud, Arles, 2016), « Kodak City » von Catherine Leutenegger (Kehrer Verlag, Heidelberg, 2014) oder « Continental Drift » von Taiyo Onorato und Nico Krebs (Edition Patrick Frey, Zürich, 2017). Nicht weniger wichtig und ebenso repräsentativ für das Gegenwartsschaffen waren Publikationen, die in unabhängigen Verlagshäusern («Withheld due to:» von Christof Nüssli, cpress, Zürich, 2016) oder im Selbstverlag («Ramsdorf» von Tiphanie Mall, Selbstverlag, 2015)  erschienen sind.

In Zusammenarbeit mit dem Festival veranstaltete die Aussenstelle von Pro Helvetia in Moskau vom 11. bis zum 13. Mai verschiedene öffentliche Veranstaltungen. An diesen nahmen Nathalie Herschdorfer, Konservatorin, Fotografiehistorikerin und Direktorin des Musée des beaux-arts in Locle; Laurence Rasti, Fotografin und Autorin des Buches «There are no Homosexuals in Iran» und Andreas Koller, Verleger beim Verlag Patrick Frei, teil. Nathalie Herschdorfer und Laurence Rasti berichten im Interview (siehe unten) von ihren Erfahrungen in Moskau.

Seit 2013 unterstützt Pro Helvetia die Publikation von Fotobüchern von Schweizer Fotografinnen und Fotografen, die in Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Verlagshäusern entstehen. Alle von Pro Helvetia unterstützten Fotobücher sind hier aufgeführt und werden nun laufend mit Begleittexten ergänzt.

Interview

Wie fügte sich die Ausstellung «Swiss Photobook Today» in das Festival ein?

Nathalie Herschdorfer: Das Fotobuch ist im Grunde ein internationales Medium. Dennoch ist es interessant, aufzuzeigen, welchen Wert die Kultur eines Landes dieser Art der Publikation beimisst. Die vorgestellten Bücher richten sich an ein internationales Publikum, haben eine grenzübergreifende Ausstrahlung und demonstrieren die Vielfalt der in der Schweiz erscheinenden Fotobücher.

Laurence Rasti: Das Festival zeigte mehrere Ausstellungen rund um Fotobücher. So war ein Raum der Ausstellung «Looking for Lenin» von Niels Ackermann und Sébastien Gobert gewidmet, während in einem anderen «I, Oblomov» von Ikuru Kuwajima, Preisträger des Fotobuchs 2017, zu sehen war. Sowohl die Ausstellung «Swiss Photobook Today» als auch «I, Oblomov» waren so gestaltet, dass sich die Besucher die Werke in aller Ruhe ansehen konnten.

Wie unterschieden sich die Fotobücher aus der Schweiz von den anderen am Festival vorgestellten Produktionen?

N.H.: Vor allem durch ein grösseres Know-how in Bezug auf die drucktechnische, redaktionelle und grafische Qualität. Die Arbeiten der Schweizer Künstlerinnen und Künstler sind von hohem Niveau, und die Herstellung ihrer Bücher erfolgt unter optimalen Bedingungen. Damit will ich jedoch nicht sagen, dass anderswo nicht auch qualitativ hochstehende Fotobücher produziert werden.

L.R.: Ich glaube, dass die Kultur des Fotobuchs in Russland nicht so ausgeprägt ist wie bei uns. Grafische Gestaltung und Fotografie geniessen in der Schweiz schon seit langem einen hohen Stellenwert. Es ist nicht so, dass russische Fotografinnen und Fotografen kein Interesse an Fotobüchern hätten – ganz im Gegenteil, wie das grosse Interesse an Swiss Photobook Today gezeigt hat. Hingegen schloss ich aus verschiedenen Gesprächen vor Ort, dass das lokale Publikum mit diesem Medium nicht besonders vertraut ist.

Welches Publikum zog das Festival an? Ausschliesslich Fachleute, Sammler und potenzielle Käufer oder auch eine breitere Öffentlichkeit?

N.H.: Meines Erachtens vorwiegend Fotografinnen und Fotografen und Fotografiehistoriker.

L.R.: An den öffentlichen Veranstaltungen, die ich besuchte, nahmen hauptsächlich Branchenprofis, Studierende und Fotografinnen teil.

Wie haben Sie den Austausch vor Ort erlebt? Wie reagierte das Publikum auf Ihre Beiträge?

N.H.: Der Austausch war sehr gut, wobei mein Eindruck war, dass das Publikum auch hier in erster Linie aus Fotografinnen und Fotografen bestand. Ihre Fragen zeugten von grosser Neugier und insbesondere von ihrem Wunsch, unter Bedingungen arbeiten zu können, wie wir sie kennen.

L.R.: Der Empfang durch die Veranstalter des Festivals war grossartig, alles war gut organisiert, und es herrschte eine äusserst gastfreundliche Atmosphäre. Der intime Rahmen der Podiumsdiskussionen ermöglichte einen echten Austausch mit dem Publikum, wovon ich im Anschluss an meine Präsentation ebenfalls profitieren konnte. Ich lernte viele interessante Leute kennen, mit denen ich hoffentlich in Kontakt bleiben werde.