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Prioritäre Jazzförderung

Florian Weiss – Post-Lockdown Interview

Florian Weiss und Woodoism

Seit fünf Jahren gibt es Woodoism Woodoism, das junge Schweizer Quartett um den Posaunisten Florian Weiss, das landauf, landab sowohl die Fachpresse als auch eine stetig wachsende Fangemeinde begeistert. Woodoism, mit Linus Amstad (Altsax), Valentin v. Fischer (Kontrabass) und Philipp Leibundgut (Schlagzeug), wurde bereits ein Jahr nach der Gründung in die «Best of Swiss-Jazz-Bachelors»-Konzertreihe gewählt.

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Was haben Jazz Musiker und Musikerinnnen aus der Schweiz während des Lockdowns gemacht? Und wie geht es für sie weiter? Florian Weiss, Posaunist von Woodoism, erzählt, wie er sich während der Pandemie organisiert und welche neuen Möglichkeiten sich durch den Stillstand ergeben. Pro Helvetia unterstützt Woodoism im Rahmen der prioritären Jazzförderung.

«Meine erste Reaktion war zu überlegen, wie man ins Internet ausweichen kann und was man zum Beispiel streamen könnte. Aber schlussendlich habe ich wenig in diese Richtung gemacht, weil ich den Stillstand selbst als positiven Effekt ausgemacht habe.» 

 


Was hast du während des Lockdowns gemacht?  

Im Lockdown hatte ich das Gefühl, wenn ich mich mir keine Struktur schaffe oder gewisse Projekte überlege, dann verliere ich den Grip. Alle paar Tage hatte ich einen Motivationstaucher. Ich finde es einfacher, auf etwas hinzuarbeiten. Wenn ich weiss, in zwei Wochen probe ich mit der Band und in einem Monat geht es auf Tour, dann inspiriert mich das auch.

Auf jeden Fall habe ich viel Klavier und Posaune geübt und sonst habe ich zu Hause gegärtnert, auch wenn ich keinen Balkon habe, einfach so wie es mir möglich war und mal mehr, mal weniger Sport gemacht.

Welche Fragen haben dich während des Lockdowns beschäftigt?  

Mit was muss ich jetzt rechnen? Was fällt weg? Ich habe noch recht lange versucht, im Kopf an gewissen Dingen festzuhalten. Die Tour ist gestrichen, aber welche Gigs sind noch aufgegleist, die noch gehen könnten? Im Kopf bin ich jetzt entspannt mit der Vorstellung, dass bis September wahrscheinlich nichts los ist. Das habe ich schnell akzeptiert. Aber was ist, wenn es eine zweite Welle gibt? Wie gestaltet sich überhaupt der Herbst, auch wenn es keine zweite Welle gibt? Diese Fragen werden bestimmt die gesamte Musikszene noch länger beschäftigen, nicht nur diesen Herbst, sondern auch nächstes Jahr oder sogar noch zwei Jahre.

Welche Erfahrungen hast du mit neuen Formaten gemacht?

Ich weiss noch als der Lockdown kam, war ich auf dem Weg an einen Gig. Meine erste Reaktion war zu überlegen, wie man ins Internet ausweichen kann und was man zum Beispiel streamen könnte. Aber schlussendlich habe ich wenig in diese Richtung gemacht, weil ich den Stillstand als positiven Effekt ausgemacht habe. Was ich dann doch gemacht habe, ist eine Studio Session in der Tom Gsteiger und Wolfgang Zwiauer, zwei Musiker aus Bern, Musiker und Musikerinnen angefragt haben, ob sie ad hoc etwas solo einspielen wollen oder eine Band zusammenzustellen und einen Nachmittag aufnehmen. Das Ergebnis ist jetzt auf SoundCloud zu finden – «Life At The Zoo».  Das war ein guter Anlass für mich, etwas zu machen, das ohne den Lockdown nicht stattgefunden hätte.

Wie gehst du mit dieser Zeit voller Unsicherheiten in Bezug auf die Öffnung um? 

Es geht mir im täglichen Leben soweit nicht schlecht und ich versuche mir nicht zu viele Sorgen zu machen, wie es in einem halben Jahr aussehen wird, weil ich es ohnehin nicht weiss. Ich schaue dann einfach und irgendwie – das ist ja ein Lebensmotto, das viele Musiker und Musikerinnen haben –  irgendwie geht es dann auch weiter. Das hilft schon in so einer Situation.

Was bleibt?  Gibt es etwas aus der Zeit des Lockdowns, das du in die Zukunft mitnehmen möchtest? 

Der Lockdown hat mir vor Augen geführt, dass ich mir die Woche mit vielen Terminen anfülle und das eigentlich ein Programmpunkt für den Tag unter Umständen schon ausreicht. Vielleicht nimmt man sich an einem Tag nur eine Sache vor, zum Beispiel, heute gehe ich joggen, und den Rest schaut man dann mal.  Diese Art von Entschleunigung fände ich sicher wertvoll und die würde ich gerne beibehalten.