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Alan Bogana auf der Suche nach dem Qi

© Alan Bogana

Alan Bogana

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Alan Boganas ganzen Erfahrungsbericht lesen Sie auf der Website von

Pro Helvetia Shanghai

Alan Bogana aus Genf wollte 2020 eigentlich einen Residenzaufenthalt in China verbringen. Wegen Covid-19 musste der Aufenthalt verschoben und das vorgesehene Programm an die geltenden Reisebeschränkungen angepasst werden. So blieb Bogana im Oktober 2020 für einen Residenzmonat an seinem Wohnort Genf, und 2021 verbrachte er zwei Monate in China.

Hier berichtet Alan Bogana von seinen Erfahrungen:

«Während meines Residenzmonats in Genf standen bei meinen Recherchen hauptsächlich drei Themen im Fokus:

Beim ersten ging es um die Bedeutung des Qi und der Meridiane in der Traditionellen Chinesischen Medizin. Diese uralten Konzepte verstehen den Körper als eine Art elektrischen Schaltkreis und faszinieren mich seit Langem. Für mein Projekt interessierte mich vor allem, welche Vorstellung Menschen im heutigen China von diesen alten Begriffen haben und ob sie sie visualisieren können, und weiter, welchen Platz diese Konzepte neben modernen Praktiken heute haben. Ich habe mich gefragt, ob das Qi als ein Fluss aus Energie – oder sogar aus Licht – angesehen werden kann, der sich durch den Körper bewegt. In Schanghai bot sich mir die Gelegenheit, einen Mediziner zum Qi zu befragen und dazu, wie wir es uns vorstellen und es visualisieren können. Der Austausch mit ihm führte auch zu weiteren inspirierenden Fragen: etwa, wie das Qi sich verhält, wenn keine Schwerkraft herrscht – zum Beispiel im Körper von Astronauten –, oder ob die Traditionelle Chinesische Medizin auch im All genutzt werden könnte und wenn ja, wofür.

© Alan Bogana

Das zweite Thema, dem ich mich widmete, war der Einsatz von Lasern in der traditionellen Akupunktur: Dabei werden Nadeln aus Licht benutzt statt solche aus Metall. Diese relativ neue Weiterentwicklung der alten Heilmethode findet in verschiedenen Ländern weltweit offenbar immer stärkere Verbreitung. Es gibt mehrere wissenschaftliche Beiträge über die neue Methode, und ich möchte unbedingt Spezialisten kennenlernen, die sie anwenden.

© Alan Bogana

Das dritte Thema war ein ziemlich technisches: die Anwendung der Motion-Capture-Technik zur Animation von Figuren in der 3D-Computergrafik (CGI). Während meines Residenzaufenthalts habe ich mich näher mit dem Verfahren auseinandergesetzt, denn ich wollte damit einen Avatar animieren, der zum Protagonisten eines meiner neuen Werke werden sollte. Ich habe CGI in meinen Projekten auch bisher recht häufig eingesetzt, doch aufgrund der speziellen Situation mit dem Aufenthalt an meinem Wohnort machte es nun noch mehr Sinn. Dank Vytas kam ich in Kontakt mit einer Firma in Hongkong, die auf diese Technik spezialisiert ist, und konnte mich mit ihr über ein paar anspruchsvolle Ideen austauschen, die ich im Kopf habe – unter anderem, um Motion Capture beim Indoor-Fallschirmspringen einzusetzen. Da bin ich noch dran, es ist work in progress!»

– Alan Bogana


Als Reaktion auf die globale Covid-19-Pandemie hat Pro Helvetia das Residenzformat „Home not alone“ entwickelt. Sollten Reisebeschränkungen die Künstlerin oder den Künstler daran hindern, den gewählten Aufenthalt anzutreten, und keine andere Möglichkeit der Realisierung möglich ist, kann Pro Helvetia finanzielle Unterstützung anbieten, sowie eine Mentorin oder einen Mentor im Zielland vermitteln.