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Artists in Residence

Zhao Chuan

Zhao Chuan

Zhao Chuan

Noch bis Mitte Oktober in Zürich

Open Studio
Einblicke in seine Arbeit mit dem Grasbühnen-Theater gibt Zhao Chuan anlässlich eines Open Studios:
12. September, 19 Uhr – 20.30 Uhr, Rote Fabrik

Website des Künstlers

grassstage.cn

Theater abseits des Theaters

Seine Aufführungen sind kostenlos und finden auf Baustellen, in Restaurants oder in Hörsälen statt. Seine Schauspieler sind keine Profis, sondern Laien. Und sein Publikum tauscht sich am Ende des Stücks mit den Theaterschaffenden über das Gesehene aus: Es befragt, kritisiert oder beschimpft auch mal – und wird so Teil der Aufführung. Der Chinesische Regisseur, Autor und Kurator Zhao Chuan begibt sich mit seinem Grass Stage-Theater auf gesellschaftliche Recherche und dringt damit in jene Bereiche des chinesischen Alltags vor, die zuweilen schmerzhaft sind. Er befragt, wie in der letzten Produktion World Factory,  die Realität von Fabrikarbeitern, die unser aller Gadgets produzieren. Er widmet sich, wie in A madmans story, den  Aufstiegsphantasien im realen Kapitalismus oder wie in Little Society I und II den Randständigen der Chinesischen Gesellschaft.

«Die Menschen, die diese Stücke aufführen, kommen den Menschen auf der Strasse ganz nahe, sie bilden keine spezifische soziale Schicht von ‚Schauspielern‘, die von der Theaterkasse oder einer Versorgung durch das System abhängig wären», schreibt Zhao Chuan in einem soeben erschienen Aufsatz («Grenzpolitik von Körper und Raum – Gesellschaftstheater jenseits der Gesellschaft»). «Sie machen Identitäten, Körperhaltungen und Sprechweisen von ganz gewöhnlichen Leuten öffentlich und stehen dem von staatlicher Seite lange propagierten, völlig deformierten Realismus in einer zutiefst paradoxen, kritischen Beziehung.»

Zhao Chuans Theater muss deshalb zwangsläufig seine eigenen Bühnen suchen, denn die offiziellen Chinesischen Bühnen verschliessen sich seiner Kunst. «Die Grasbühne versucht, zu jedweder Form von Institution Abstand zu halten, im Denken und Handeln unabhängig zu bleiben und bemüht sich um die Entwicklung einer neuen spannungsvollen Beziehung zwischen Gesellschaft und Theater», so Zhao Chan.

Dass das Publikum im anschliessenden Gespräch zum Teil des Stücks wird, gehört für Zhao Chuan sowohl zum künstlerischen wie auch zum gesellschaftlichen Konzept: «Manchmal treten in einem unendlichen Strom Fragen auf, dann können die Publikumsgespräche fast so lang werden wie die Vorstellung selbst.»

Und manchmal hat Zhao Chuans Grasbühnen-Theater auch eine ganz klassisch kathartische Wirkung: Dann bricht schon mal ein Tumult aus. Oder es fliessen Tränen.