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Cahiers d’Artistes

Cahiers d'Artistes in Moscow © Grigory Matveev

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Josiane Imhasly
Fachspezialistin Visuelle Künste

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Detaillierte Informationen unter

cahiers.ch

Mit der Collection Cahiers d’Artistes ermöglicht Pro Helvetia vielversprechenden Schweizer Künstlerinnen und Künstlern die Herausgabe einer ersten monografischen Publikation und bietet Fachpersonen aus der Kunstwelt sowie dem interessierten Kunstpublikum ein Schaufenster zu aktuellen Tendenzen der Schweizer Kunstszene.

Pro Helvetia wählt auf Empfehlung einer Jury alle zwei Jahre acht Künstlerinnen und Künstler aus, die sich auf eine öffentliche Ausschreibung hin bewerben. Die Publikationen entstehen in enger Zusammenarbeit der Kunstschaffenden mit den Autorinnen und Autoren, dem Grafikbüro, dem Verlag und Pro Helvetia.

Durch ihr nationales und internationales Netzwerk und im direkten Kontakt mit Institutionen bringt die Schweizer Kulturstiftung die Cahiers d’Artistes in die Hände von Kuratorinnen und Kuratoren, sowie Kritikerinnen und Kritikern weltweit. Mit öffentlichen Veranstaltungen belebt Pro Helvetia den Diskurs zum Thema Publizieren.

Die Collection Cahiers d’Artistes wurde 1984 von der Schweizer Kulturstiftung ins Leben gerufen und gibt einen umfangreichen Einblick in das Schweizer Kunstschaffen der letzten 35 Jahre.

 

Archiv

Über das Archiv sind sämtliche Cahiers d’Artistes digital zugänglich. Hier finden sich Publikationen von Kunstschaffenden wie Fischli/Weiss (1985), Pipilotti Rist (1994), Valentin Carron (2004) oder Claudia Comte (2014), mit Texten von Kritikerinnen und Kritikern wie Jean-Christophe Ammann (1986), Rein Wolfs (1999), Dorothea Strauss (2004) oder Chris Kraus (2019). Bisher erschienen rund 160 Publikationen. Zudem findet sich auf der Website eine Liste mit allen Künstlerinnen und Künstlern, die ein Cahiers d’Artistes publiziert, sowie allen Autorinnen und Autoren, die einen Text verfasst haben.

Nachdem die Cahiers d’Artistes zu Beginn im Selbstverlag herausgegeben wurden, zeichnete sich Ende der 1990er-Jahre Lars Müller Publishers verantwortlich und seit 2006 publiziert der Verlag Edizioni Periferia, Luzern/Poschiavo die Bücher. Mit der Gestaltung ist seit 2015 das Grafikdesignstudio Bonbon mit Sitz in Zürich beauftragt.

Bestellungen

Die Serien VI-XV (ab 2006 bis heute) können bei Edizioni Periferia bestellt werden. Frühere Serien sind grösstenteils vergriffen, für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte Josiane Imhasly.

 

Im Juni 2021 erscheinen acht Cahiers d’Artistes von folgenden Künstlerinnen und Künstlern:

Dorota Gawęda *1986 Lublin PL und Eglė Kulbokaitė *1987 Kaunas LT, leben und arbeiten in Basel

Dorota Gawęda und Eglė Kulbokaitė sind begierige Leserinnen. Dies zeigt sich zunächst in ihrem Langzeitprojekt YOUNG GIRL READING GROUP, welches 2013 am Anfang ihrer Zusammenarbeit als Duo stand. Wie der Autor Jeppe Ugelvig schreibt ist ihre Kunst eine Sendestation, mit der Geschichten eine Verbreitung finden. Die Künstlerinnen bedienen sich dafür an verschiedensten Quellen, wobei sie sich zunehmend vom westlichen akademischen Diskurs ab- und volkstümlichen Texten zuwenden (z.B. folkloristische Mythen, Geschichten magischer Praktiken oder Gerichtsakten aus Hexenprozessen). Thematisch verhandeln die Künstlerinnen unsere Beziehung zur Natur und Technologie ebenso wie Genderfragen. Mit ihren multimedialen Werken, die neben Performance und Video auch Düfte, Installationen, Skulpturen und Fotografien umfassen, schaffen sie Angebote für alternative Wahrnehmungs- und Darstellungsformen.

 

Dorota Gawęda und Eglė Kulbokaitė, Cahier d’Artistes, 2021 © Dorota Gawęda und Eglė Kulbokaitė / Bonbon / Pro Helvetia

gawedakulbokaite.com

 

Roman Gysin *1984 Möhlin, lebt und arbeitet in Zürich

Roman Gysin liess sich für sein Cahier d’Artistes von der Gestaltung von Mode- und Innenarchitekturmagazinen inspirieren, was angesichts seiner Sympathie für Dekoration und die an Übertreibung und Alltagskultur orientierte Ästhetik des Camps einleuchtet. Spielerisch verwebt Gysin Bilder aus dem Atelier mit Werkansichten und selbst geschossenen sowie gesammelten Fotografien. Die Motive und Ornamente der Fotografien treten dabei in einen spannenden Dialog mit den Werken, die Gysin mit grossem handwerklichem Geschick selbst im Atelier herstellt. Sylvain Menétrey begibt sich in seinem Text auf die Suche nach der Beziehung von Gysins Werk zum (Post-)Minimalismus und zu queerer Ästhetik und beleuchtet, wie der Künstler die Grenzen zwischen Hoch- und Populärkultur mühelos aufweicht.

 


Roman Gysin, Cahier d’Artistes, 2021 © Roman Gysin / Bonbon / Pro Helvetia

romangysin.com

 

Andreas Hochuli *1982 Zürich, lebt und arbeitet in Genf

Andreas Hochuli präsentiert in seinem Cahier d’Artistes ein Werkverzeichnis seiner bisher realisierten Malereien. Eine digitale Hängung von 131 Bildern wird ähnlich einer Kamerafahrt abgetastet, was seiner Arbeitsweise zwischen digitaler Konzeption und physischer Umsetzung entspricht. Bilder von Körpern stehen neben abstrakten Formen und Wortbildern (z.B. Wohnen, bauen, denken). Hochuli interessiert sich für die Menschen, ihre Beziehungen und Identitäten; für die Gesellschaft, ihren aktuellen Zustand und ihre zukünftige Entwicklung. Man findet in seinen Werken Bezüge zur Soziologie, Musik und Kunstgeschichte. Sie befragen Zeichen und ihre kulturellen Prägungen, stets mit einer Prise Humor und oft auch etwas Melancholie. Immer wieder sind Texte des Künstlers eingefügt, die gemeinsam mit seinen Malereien in ein assoziatives Zwiegespräch mit Ingo Niermanns poetischem Text treten.

 


Andreas Hochuli, Cahier d’Artistes, 2021 © Andreas Hochuli / Bonbon / Pro Helvetia

andreashochuli.com

 

Sandra Knecht *1968, lebt und arbeitet in Buus

Sandra Knecht ist bekannt für ihre Essen Immer wieder sonntags im Chnächt, eine Scheune, die sie aus dem Jura ans Basler Rheinufer transportiert hat. Ihre künstlerische Praxis mit dem Kochen steht im Zentrum des Cahier d’Artistes und des Texts von Koyo Kouoh. Diese Praxis umfasst das Einmachen von Heimat ebenso wie die Identitätssuche über den Geruch und den Geschmack, Gastlichkeit und die Erkundung des transformativen Potenzials von Essenszubereitung und gemeinsamem Essen. Darüber hinaus wird sichtbar, dass Knecht auch mit Fotografie und Video, Skulptur und Installation arbeitet, um ihre Anliegen – Verantwortung, Gleichberechtigung, Transformation – zu bearbeiten.

 


Sandra Knecht, Cahier d’Artistes, 2021 © Sandra Knecht / Bonbon / Pro Helvetia

sandraknecht.ch

 

Marie Matusz *1994 Toulouse, lebt und arbeitet in Basel und Zürich

In ihrem Cahier d’Artistes zeigt Marie Matusz zum einen schwarz-weiss Fotografien des Hauses ihrer Urgrossmutter, ein reich dekoriertes und mit unzähligen Reproduktionen von Klassikern der Malerei bestücktes Heim. Die Jahreszahl auf den Fotografien impliziert, dass sie 1994 aufgenommen wurden. Eine technische Fehlleistung, welche die Künstlerin faszinierte. Denn sie interessiert sich nicht nur für Soziologie und Linguistik, sondern auch für Philosophie und Fragen der Auflösung von Zeit und Raum. Zum anderen sind im Cahier d’Artistes verschiedene Werkgruppen abgebildet, die historische und zeitgenössische Machtstrukturen, Natur und Gerechtigkeit thematisieren. Alan Longino beschreibt die Stimmung in Matusz’ Werk mit dem von Thomas Gray entlehnten Begriff der Leucocholy: «a good easy sort of state», eine «weisse Melancholie», worin sich Matusz gut wiedererkennen kann.

 


Marie Matusz, Cahier d’Artistes, 2021 © Marie Matusz / Bonbon / Pro Helvetia

Noha Mokhtar *1987 Genf, lebt und arbeitet in Zürich und New York City

Inspiriert von ethnografischen Forschungsmethoden, umfasst Noha Mokhtars künstlerische Praxis Fotografie, Installation und Objekte. Sie untersucht, wie sich Räume und Gegenstände zu sozialen und politischen Themen und verschiedenen Formen von Macht verhalten. Dabei werden Begriffe wie Geschichte, Kultur und Häuslichkeit befragt. Ein besonderer Fokus liegt darauf, wie der Raum und die Materialität der Umgebung die Entfaltung von sozialen Beziehungen beeinflussen. Im Cahier d’Artistes verwebt Mokhtar eigene Fotoarbeiten mit gefundenen Fotografien sowie mit Objekten und kurzen Texten. Sarah Rifky liefert in ihrem Essay anhand der folgenden Begriffe Methoden zur Analyse von Mokhtars Werk: Falte, Rotation, Traum, Muster, Glitzern, Abguss, Bruch, Repetition, Abstieg, Traum, Falte.

 


Noha Mokhtar, Cahier d’Artistes, 2021 © Noha Mokhtar / Bonbon / Pro Helvetia

nohamokhtar.ch

 

Elena Montesinos *1971, lebt und arbeitet in Genf

Elena Montesinos ist eine kulturelle Unruhestifterin im besten Sinne. Sie sprudelt vor Ideen für künstlerische und kuratorische Projekte. Diese werden jedoch nicht immer realisiert: aufgrund exorbitanter Produktionskosten, weil sie abgelehnt wurden, weil sie verstörend sind oder schlicht illegal. In ihrem Cahier d’Artistes mit dem Titel UNRELEASED bringt The Montesinos Foundation zwanzig unveröffentlichte Projekte zu einer literarischen Durchführung. Das Cahier d’Artistes ermöglicht eine Reise in Montesinos’ Fantasie, wo sich ihr aktivistisches und transformatives Potenzial ungehemmt entfalten kann. Weil Kollaboration und Vielstimmigkeit für die Künstlerin zentral sind, hat sie fünf Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter (Samuel Gross, Eve-Marie Knoerle, Irène Languin, Luca Pattaroni und Claude-Hubert Tatot) eingeladen, einen kurzen Text zu verschiedenen Aspekten ihrer Arbeit zu verfassen (z.B. Ökologie oder Humor).

 


Elena Montesinos / The Montesinos Foundation, Cahier d’Artistes, 2021 © Elena Montesinos / Bonbon / Pro Helvetia

themontesinosfoundation.org

 

Ramaya Tegegne *1985 Genf, lebt und arbeitet in Genf

Ramaya Tegegne beleuchtet die Mechanismen von Dominanz und Machtverhältnissen innerhalb der Kultur, indem sie ihre Ökonomie, Zirkulation und Historisierung beobachtet. Sie realisiert Performances und Installationen und setzt sich mit der Kampagne Wages For Wages Against für eine alternative und faire Ökonomie im Feld der Kunst ein, die Kunstschaffenden bessere Arbeitsbedingungen und eine angemessene Entlöhnung bietet. Tegegnes Cahier d’Artistes schafft einen Überblick über ihre künstlerischen und aktivistischen Projekte und thematisiert die ökonomischen Verhältnisse, in welchen diese realisiert werden. Chaédria LaBouviers Text beleuchtet ihr Werk im Kontext von Aktivismus, Rasse und Geschlecht sowie gegenseitiger Fürsorge («We Are Each Other’s Business, We Are Each Other’s Harvest»).

 


Ramaya Tegegne, Cahier d’Artistes, 2021 © Ramaya Tegegne / Bonbon / Pro Helvetia

ramaya.ch

 

Bestellungen

Bestellungen können bei Edizioni Periferia getätigt werden.

periferia.ch

Jury

  • Fanni Fetzer, Direktorin Kunstmuseum Luzern
  • Luca Frei, Künstler, Lugano/Malmö
  • Samuel Leuenberger, Kurator SALTS und Art Parcours, Basel
  • Denis Pernet, Associate Curator Audemars Piguet Art Programme, Lausanne

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