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Diversität und Chancengleichheit im Kulturbetrieb

Theater Chur | Photography and montage: Nadia Lanfranchi & Nina Oppliger

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Die Schweizer Gesellschaft ist divers. Diese ausgeprägte Diversität spiegelt sich jedoch im Schweizer Kulturbetrieb oft nicht ausreichend wider. Das hat Gründe: Die Chancen, im Kulturbetrieb Fuss zu fassen, sind nicht für alle gleich. Für Frauen ist es nach wie vor schwieriger Führungspositionen in Kulturinstitutionen zu erlangen und sie verdienen im Kultursektor im Durchschnitt 17% weniger als ihre männlichen Kollegen. Auch Kulturschaffende aus migrantischen Communities finden nur selten eine Stelle in Kulturinstitutionen; ebenso sind sie in künstlerischen Programmen und in der Förderung deutlich unterrepräsentiert. Dabei haben 38% der in der Schweiz lebenden Menschen einen Migrationshintergrund.

In vielen Kulturinstitutionen fehlt es an Ressourcen und Kenntnissen, die Herausforderungen einer diversen Gesellschaft anzugehen. Oft mangelt es an Methoden und Wissen, das Potenzial der Diversität zu nutzen und die Strukturen entsprechend langfristig anzupassen.

Mit den Aktivitäten rund um die Thematik «Diversität und Chancengleichheit im Kulturbetrieb» reagiert Pro Helvetia auf diese zentralen gesellschaftlichen und kulturpolitischen Fragen. Die Stiftung treibt damit die diesbezügliche Diskussion im Kulturbereich voran und schafft mit Analysen und Fördermassnahmen die Grundlagen für einen breiter zugänglichen Kulturbetrieb.

Ziele 2021-2024:

  • Kulturinstitutionen bei der Entwicklung von diversitätsorientierten Prozessen fördern und aktiv begleiten
  • Zugangsbarrieren zum Kulturbetrieb sowie zu Fördermöglichkeiten für Kulturschaffende aus marginalisierten Bevölkerungsgruppen abbauen
  • Wissenstransfer rund um Diversität und Chancengleichheit fördern und praxisorientierte Leitfäden für den Kulturbetrieb zur Verfügung stellen
  • Daten und Fakten zur Diversität im Schweizer Kulturbetrieb erheben und vermitteln

Zahlen und Fakten basieren auf der Statistik des Bundesamts für Statistik (BFS) zur Kulturwirtschaft in der Schweiz, die das BFS gemäss Vereinbarung mit dem Bundesamt für Kultur (BAK) erstellt hat.

Hier geht’s zur Begriffserklärung

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Im Rahmen der Thematik «Diversität und Chancengleichheit im Kulturbetrieb» lanciert Pro Helvetia ein Coachingangebot mit zwei Ausschreibungen.

  1. Einsteiger-Workshop «Start Diversität»
  2. Längerfristige Unterstützung «Tandem Diversität»

Die Eingabebedingungen und -fristen entnehmen sie dem Detailbeschrieb der jeweiligen Ausschreibung.


Die Infografik zeigt Bewerbungsmöglichkeiten und Fristen für «Start Diversität» und «Tandem Diversität» auf.

 

Diversität

Der Begriff Diversität stammt vom lateinischen Wort diversitas ab und bedeutet Vielfalt und Vielfältigkeit. Synonym zu Diversität/Diversity werden häufig auch die Begriffe Heterogenität, Unterschiedlichkeit, Verschiedenheit, Mannigfaltigkeit und Differenz verwendet. Der Begriff Diversität fokussiert auf die Anerkennung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen Menschen. Dabei stehen historisch gewachsene gesellschaftliche Differenzsetzungen im Mittelpunkt, die soziale Ungleichheiten hervorgebracht haben und sich auf unterschiedliche Dimensionen beziehen – wie u.a. Herkunft, Geschlecht, Alter, Sprache, soziale Stellung, Lebensentwürfe, sexuelle Orientierung, religiöse, weltanschauliche oder politische Überzeugung sowie körperliche, geistige oder psychische Behinderung (vgl. Schweizerische Bundesverfassung, Art. 8).

Diversitätsprozesse

Diversitätsprozesse sind Ansätze zur längerfristigen Veränderung von Institutionen und Organisationen im Bereich Diversität. Ziel von Diversitätsprozessen ist der strukturelle Abbau von Diskriminierungen und den daraus resultierenden Barrieren. Im Kulturbetrieb liegt der Schwerpunkt dabei üblicherweise auf der längerfristigen Diversifizierung der sogenannten «drei Ps» – gemeint sind damit die drei Achsen

  • Personal (wer arbeitet im Kulturbetrieb?),
  • Programme (was wird angeboten? Wer wird gefördert?) und
  • Publika (welches Publikum hat Zugang zu den Angeboten?)

Chancengleichheit

Chancengleichheit meint die gleichberechtigte Teilnahme und Teilhabe am kulturellen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Leben, unabhängig von Geschlecht, Herkunft, sowie anderen gesellschaftlichen Differenzen. Egalitärer Zugang bedeutet, dass alle dieselben Startchancen haben und es allen gleichermassen möglich ist, diese Chancen wahrzunehmen. Eine auf Chancengleichheit ausgerichtete Arbeit stellt demnach den strukturellen Abbau von Barrieren und Diskriminierungen in den Vordergrund.

Marginalisierung

Marginalisierung bedeutet, dass Individuen oder Gruppen von Personen ausgeschlossen, ignoriert oder an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Diese Verdrängung geht immer mit Diskriminierungsformen einher und findet meist auf mehreren der folgenden Ebenen statt: geografisch, wirtschaftlich, sozial und kulturell. Im Kulturbereich bedeutet Marginalisierung beispielsweise schlechterer Zugang zu Förderung oder einflussreichen Positionen.

Communities

Communities sind – im Kontext des Diversitätsdiskurses – Interessensgemeinschaften von Menschen, die gleiche oder ähnliche Diskriminierungserfahrungen teilen. Zur Community gehört zudem ein Gefühl von positiver Gruppenidentität, da die Zugehörigkeit selbst-, statt fremdbestimmt wird. Nicht selten existieren unter einer Dach-Community auch mehrere kleinere Communities. Ein Beispiel für eine Community ist die queere (oder auch LGBTQ+) Community.

Migrationsgesellschaft

Der Begriff verweist auf den Prozess der kulturellen, sozialen und politischen Veränderung einer Gesellschaft im Zuge der Einwanderung. Dabei wird dieser Wandel als ein Prozess aufgefasst, der im positiven Sinne zur Gestaltung der Gesellschaft beiträgt.

Im Migrationsland Schweiz haben laut Bundesamt für Statistik (2019) beispielsweise knapp 38% der Wohnbevölkerung Migrationshintergrund.

Geschlechtergleichstellung

Geschlechtergleichstellung steht für die gleichberechtigte Teilnahme und Teilhabe aller Geschlechter und Geschlechtsidentitäten am kulturellen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Leben. Diese Gleichstellung setzt voraus, dass Benachteiligungen und Einschränkungen durch gesellschaftlich bedingte Rollenmuster anerkannt und bekämpft werden (z.B. beim sogenannten Gender Pay Gap oder mit Quotensetzung bei repräsentativen Positionen). Geschlechtergleichstellung bedeutet auch, dass Unterschiede in den Lebensentwürfen, Verhaltensweisen und Bedürfnissen unterschiedlicher Geschlechter berücksichtigt und gefördert werden.

Teil dieser Begriffserklärung entstand in Anlehnung an das Wörterbuch des Berliner Projektbüros Diversity Arts Culture. Mehr Informationen und weitere Begriffe finden Sie hier.

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