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Pro Helvetia fördert Schweizer Kultur in 85 Ländern

Publiziert am 22.06.2004

Im Jahr 2003 hat die Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia 3596 Unterstützungsgesuche bearbeitet. Nach Jahren des kontinuierlichen Anstiegs bedeutet dies erstmals eine leichte Abnahme um 252 Anträge oder 7%. Mit rund 23 Mio. Schweizer Franken wurden Kulturprojekte im In- und Ausland unterstützt. Wichtige Entscheide fällte die Stiftung mit der Beschränkung auf eine Aussenstelle in Osteuropa und der Leistungsvereinbarung mit dem Istituto Svizzero di Roma. Das Klima in der Kulturförderung ist im vergangenen Jahr deutlich rauer geworden. Pro Helvetia hat es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, ihre Betriebskosten bis Ende 2006 um 5% zu senken und damit rund 1,7 Mio. Franken zusätzlich in die Förderung fliessen zu lassen. Die Arbeiten am Pro-Helvetia-Gesetz verzögern sich, es dürfte frühestens 2008 in Kraft treten.

Die Zahl der Unterstützungsgesuche von Schweizer Kulturschaffenden an Pro Helvetia blieb auch 2003 mit 3596 Anfragen auf hohem Niveau. Der erstmalige Rückgang um 252 Gesuche ist weitgehend mit der Publikation der neuen Wegleitung und der Beitragsverordnung zu erklären, mit denen die Anforderungen an die Gesuchstellenden erhöht wurden. Die Zahl der positiv beantworteten Anträge nahm im Vergleich zum Vorjahr deutlich zu, nämlich von 46% auf 51%. Mit einem operativen Etat von rund 23 Mio. Schweizer Franken trug Pro Helvetia zur Finanzierung von Projekten und Veranstaltungen in der Schweiz und weiteren 85 Ländern bei. Als bedeutende Grossveranstaltungen hat Pro Helvetia 2003 SwissPeaks in New York sowie das Rahmenprogramm zu ARCO 2003 in Madrid, beide in Zusammenarbeit mit Präsenz Schweiz, realisiert. Die Zusammenarbeit mit der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) hat sie im Inland auf eine neue Basis gestellt; das Mandat in Südosteuropa und der Ukraine wurde durch zahlreiche Kooperationsprojekte zwischen Schweizer und lokalen Partnern vertieft.

Meilensteine in der Auslandarbeit

Ein wichtiges Vorhaben der Kulturstiftung in den vergangenen zwölf Monaten war die Erarbeitung einer neuen Auslandstrategie. Sie dient der Standortbestimmung und soll die Parameter für künftige Engagements festlegen. Der Stiftungsrat wird im Herbst 2004 darüber abschliessend befinden. Ein prägendes Kapitel ihres Auslandengagements beschliesst Pro Helvetia mit dem Rückbau der drei mittelosteuropäischen Aussenstellen in Budapest, Prag und Bratislava bis Ende 2005. Künftig wird die Unterstützung von Projekten in diesen Ländern direkt von der Schweiz aus erfolgen. Die Aussenstelle in Krakau übernimmt die Rolle als Brückenkopf nach Osteuropa. Die Arbeit in Italien wurde mit der Leistungsvereinbarung mit dem Istituto Svizzero di Roma (ISR) auf eine neue Basis gestellt. Das ISR wird ab Sommer 2005 von Rom aus mit zwei Filialen in Milano und Venedig geführt. Dieser Entscheid stärkt die Regionalarbeit in Italien, ein Anliegen, das auch in Frankreich über das Centre Culturel Suisse künftig stärker berücksichtigt wird.

Prioritäten setzen

Ab 2005 wird das jährliche Budget von Pro Helvetia von derzeit 35 Millionen Franken auf 34 Millionen sinken. Um diesen Rückgang nicht auf die Gesuchsteller zu überwälzen und um darüber hinaus in Zeiten reduzierter Kulturbudgets zusätzliche Mittel bereit stellen zu können, hat die Stiftung beschlossen, bis Ende 2006 ihren Betriebskostenanteil um rund 5% von 37,5% auf knapp 33% zu senken. Sie tut dies, indem sie klare Prioritäten setzt. So will sich Pro Helvetia künftig auf die Diffusion des künstlerischen Schaffens im In- und Ausland konzentrieren. Sie verzichtet auf kulturelle Basisarbeit, wie sie beispielsweise von Kulturmobil geleistet wurde, und sieht künftig auch von einer Umsetzung ihrer eigenen Programme im Alleingang ab. Weitere Entlastung ergibt sich für die Stiftung mit dem Übertrag von Mandaten und Leistungsaufträgen an Dritte. Diese Massnahmen führen in den kommenden drei Jahren bis 2007 zu einer Verringerung der Vollzeitstellen von derzeit 86 auf 69. Gemeinsam mit den Sozialpartnern hat die Stiftung ein entsprechendes Massnahmenpaket erarbeitet. Einzig für drei der betroffenen Stellenwerte sind Kündigungen vorgesehen. Damit wird Pro Helvetia ihr Ziel erreichen, ab 2007 rund 1,7 Millionen Franken ihres Budgets zusätzlich der direkten Förderung zukommen lassen.

Pro-Helvetia-Gesetz

Grosse Erwartungen hat Pro Helvetia in die Ausarbeitung des Kulturförderungsgesetzes und des zugehörigen Pro-Helvetia-Gesetzes gesteckt. Die neuen Gesetze sind dringend nötige Regelwerke, welche endlich die gegenseitigen Tätigkeitsbereiche der Kulturakteure präzisieren sollen. Das Inkrafttreten beider Gesetze kann frühestens auf 2008 erwartet werden. Dies bedeutet für Pro Helvetia wie auch für die anderen Instanzen der Kulturförderung, ihre Arbeit auf Zusehen hin ohne gesetzlich klar verankerte Aufgabenteilung ausfüren zu müssen. Pro Helvetia kann überdies ihren inneren Reformprozess ohne neue gesetzliche Grundlage nicht vorantreiben. Trotz zwei fertig ausgearbeiteten Vorprojekten scheint es zur Zeit nicht möglich, auf politischem Wege eine Mehrheit für eine solche Gesetzgebung zu finden. Kulturelle Vielfalt und die föderalistische Struktur der Schweiz sind zwei Faktoren, welche die Erarbeitung einer kohärenten Kulturpolitik unter Einbindung aller Disziplinen und betroffenen Akteure zu einem äusserst schwierigen Unternehmen machen.