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Pro Helvetia setzt auf Offenheit und Partnerschaft


Publiziert am: 25.04.2006

Ein aufgeräumtes Haus – auf diese kurze Formel lässt sich das kulturpolitisch bewegte Jahr 2005 für Pro Helvetia bringen. Mit 33 Millionen Franken standen der Stiftung zwei Millionen weniger zur Verfügung als im Vorjahr, wegen des Entlastungsprogramms des Bundes sowie wegen der «Causa Hirschhorn». Mit der Reduktion des Personalbestandes und der Betriebskosten hat die Stiftung die Auswirkungen auf die Beitragsempfänger gemildert. Sie hat 3050 Gesuche bearbeitet, drei Programme umgesetzt und 22 Millionen Franken verteilt. Für die Zukunft schreibt sie sich Offenheit und neue Bündnisse aufs Banner.

Das vergangene Jahr stand ganz im Zeichen der 2004 beschlossenen Reorganisation. Mit dem Abbau von zehn Stellen und der Auslagerung von deren sechs hat die Stiftung ihre Administrations- und Produktionskosten um 10% zum Vorjahr gesenkt, d.h. um gut 1.2 Millionen Franken. Ab 2006 betragen die Administrationskosten noch 15.8% der Gesamtkosten, die Produktionskosten 17.3%. Mit diesen Zahlen liegt Pro Helvetia im Durchschnitt vergleichbarer Stiftungen anderer Länder. Das Sparprogramm ging einher mit der Schliessung von drei Aussenstellen und strukturellen Anpassungen des Hauses. An Gesuchen bearbeitete Pro Helvetia im vergangenen Jahr noch 3050; das sind 550 weniger als im Vorjahr. Dieser Rückgang erklärt sich durch genauer definierte Richtlinien und verstärkte Beratung der Gesuchstellenden.

Kulturräume statt Nationen

Die sichtbarsten Veränderungen hat 2005 das Aussenstellennetz von Pro Helvetia erfahren. Budapest, Bratislava und Prag wurden geschlossen, Mailand zu einer Filiale des Istituto Svizzero di Roma (ISR). Das ISR betreut dafür im Auftrag der Stiftung ganz Italien. Neu verfügt auch das Swiss Institute in New York über einen Subventionsvertrag mit Pro Helvetia; im vom Staatssekretariat für Bildung und Forschung finanzierten Swissnex in San Francisco hat Pro Helvetia einen weiteren Partner gefunden. Der Umbau des Netzes der Niederlassungen steht ganz im Zeichen einer neuen Orientierung von Pro Helvetia: Alle Aussenstellen betreuen nicht nur ihre Gastländer, sondern Nationen übergreifende kulturelle Regionen. Das gilt auch für die bestehenden in Kairo und Kapstadt. Und für New Delhi, wo die Stiftung im Januar 2007 ihr nächstes Verbindungsbüro eröffnet. Einen Sonderstatus nehmen die acht Aussenstellen in Südosteuropa ein. Im Rahmen des DEZA-Mandates «Swiss Cultural Program South-Eastern Europe and Ucraine» dienen sie dem Aufbau von kulturellen Infrastrukturen und der Beschaffung von kulturpolitischem Wissen.

Von Yvette Jaggi zu Mario Annoni

Nach maximal möglichen zwei Amtsperioden hat Yvette Jaggi Ende 2005 das Amt der Stiftungspräsidentin abgegeben. Während acht Jahren hat sie wichtige Reformen eingeleitet, unter anderem auch das letzte Sparprogramm. Der neue Präsident Mario Annoni hat seine Tätigkeit Anfang 2006 aufgenommen. Von seiner Vorgängerin übernimmt er ein gewichtiges Geschäft: die Revision des Pro-Helvetia-Gesetzes. Die durch die «Causa Hirschhorn» ausgelöste öffentliche Kulturdebatte hat im Frühling 2005 auch die Vernehmlassung zum Kulturförderungs- und zum Pro-Helvetia-Gesetz befruchtet. 220 Stellungnahmen wurden eingereicht. Die grosse Mehrheit wünscht sich eine starke Pro Helvetia mit weitgehender Autonomie und vereinfachter Struktur. Die Botschaft des Bundesrats soll noch in diesem Jahr zur Debatte in die parlamentarischen Kommissionen gehen.

Offenheit und Partnerschaft

Kultur ist ein bewegtes Feld, und die Ansprüche an deren Förderung sind stets in Veränderung. Deshalb erarbeitet Pro Helvetia ein neues Leitbild, das ihren Auftrag aktuell interpretiert und Auskunft über den geltenden Kulturbegriff, Instrumente und Verfahren gibt. Es wird im Herbst 2006 veröffentlicht. Daneben will sich die Stiftung verstärkt öffnen für alle kulturell aktiven Kreise, ihre kulturpolitische Kompetenz ausbauen und neue Partner suchen, vor allem im Bereich der Wirtschaft. Beispielhaft wird sie das in China erproben, wo sie ab 2008 einen Schwerpunkt setzen wird. Weiterführen will sie die Zusammenarbeit mit Städten und Kantonen im Projekt Tanz. Nach zwei Jahren Konzeptarbeit wird es Ende 2006 in praktische Massnahmen umgesetzt, dazu gehört u.a. die Schaffung eines Netzwerkes «Tanz Schweiz». Kooperationen stehen auch im Zentrum des nächsten Themenprogramms «echos. Volkskultur für morgen», das die Stiftung am 15. September 2006 im Wallis lanciert. Gemeinsam mit einem Dutzend Kantone öffnet sie ein Forum für die Volkskultur des 21. Jahrhunderts. Das Programm initiiert Begegnungen zwischen Kulturschaffenden aus Kunst und Volkskultur und lädt zur Diskussion über Tradition und Innovation in der Kultur ein.