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Zwischen Kultur und Politik: Pro Helvetia 1939 bis 2009

 

Publiziert am: 11.05.2010

 

Fünf junge Historikerinnen und Historiker der Universitäten Zürich und Fribourg zeichnen mit der Geschichte von Pro Helvetia jene Kontroversen nach, die seit sieben Jahrzehnten die Kulturpolitik unseres Landes prägen. Herausgekommen ist eine auch für Laien lesenswerte Publikation. Sie zeigt auf, wie die 1939 zur «geistigen Landesverteidigung» gegründete Stiftung immer wieder die Diskussion um die nationale Identität entfachte.

Ab 2012 schlägt die Schweiz in der Kulturpolitik ein neues Kapitel auf. Das erste Kulturförderungsgesetz auf Bundesebene tritt in Kraft; es verändert auch Aufgaben und Strukturen von Pro Helvetia. Grund genug für fünf junge Historikerinnen und Historiker aus der Deutschschweiz und der Romandie, sich unter der Leitung der beiden Professoren Jakob Tanner (Zürich) und Claude Hauser (Fribourg) aus verschiedenen Perspektiven der Stiftung anzunähern. Sie zeigen auf, wie sich die Rolle der Kultur für das Selbstverständnis unseres Landes über sieben Jahrzehnte hinweg verändert hat. Die dreisprachige Publikation (d, f, i) zeichnet die kontroversen Debatten rund um die Kulturstiftung nach, seit sie am Vorabend des Zweiten Weltkriegs im Zuge der «geistigen Landesverteidigung» als «Arbeitsgemeinschaft» gegründet worden ist. 1949 in eine autonome Stiftung umgewandelt, gab sie Politik und Öffentlichkeit jeweils Anlass zu grundsätzlichen Diskussionen über die nationale Identität. «Die Geschichte von Pro Helvetia ist auch eine Geschichte der schweizerischen Gesellschaft, ihrer Aspirationen und Verunsicherungen, ihrer Träume und ihrer blinden Flecken», schreiben die beiden Herausgeber Tanner und Hauser.

Allen recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann

Immer wieder stand Pro Helvetia auch in der Kritik. Der Schriftsteller Léon Savary beschimpfte die Stiftung bereits 1942 als «Doktoren-Konklave», andere beklagten Willkür und Vetternwirtschaft. Anlass zu scharfen Worten gaben einzelne Ausland-Aktivitäten. So etwa der Sonderkredit für Projekte zur Geschichte der Schweiz im Zweiten Weltkrieg von 1997. Die zugehörige schweizkritische Filmschau in den USA verurteilte der damalige Nationalrat Christoph Blocher als «masochistischen Amerika-Feldzug». Auch während des Kalten Krieges wurde die Landeswerbung, wie die aussenpolitischen Aktivitäten damals noch hiessen, parteipolitisch unterschiedlich bewertet. So wurde etwa eine Bücherschenkung an die Madrider Universitätsbibliothek 1951 von der linken Arbeiterpresse als «Steuerbatzen, die an Diktaturen verschenkt werden», gegeisselt. Und nach dem Einmarsch der UdSSR in die Tschechoslowakei im Jahre 1968 sagte die Stiftung unter dem Druck der Politik mehrere Architekturausstellungen in Russland ab. Die öffentliche Diskussion zwang Pro Helvetia, ihre Rolle und ihre Aktivitäten immer wieder zu überdenken. «Die Kritik war oft der Motor für Veränderungen, sie hat Pro Helvetia dazu gebracht, ihre Organisation, ihren Kommunikationsstil und die Mittel dazu veränderten Bedingungen anzupassen», heisst es am Schluss des Buches.

Medienauskünfte: Sabina Schwarzenbach, Leiterin Kommunikation Tel. +41 44 267 71 39, Fax +41 44 267 71 06, sschwarzenbach@prohelvetia.ch

Zwischen Kultur und Politik: Pro Helvetia 1939 bis 2009

Rahel Bühler, Matthieu Gillabert, Thomas Kadelbach, Pauline Milani, Severin Rüegg,

Zwischen Kultur und Politik. Pro Helvetia 1939-2009, herausgegeben von Claude Hauser, Jakob Tanner und Bruno Seger, 346 Seiten, 73 s/w Abbildungen, Buchverlag Neue Zürcher Zeitung 2010, CHF 39.–, ISBN 978-3-03823-593-4

Medienmitteilung der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia, 11. Mai 2010