Vom 19. – 22. März 2026 findet im Rahmen der Leipziger Buchmesse das Lesefest «Leipzig liest» statt, das Literatur an zahlreiche Leseorte auf der Messe und in der Stadt bringt.
«Leipzig liest» bietet eine grosse Bühne für Verlage sowie Autorinnen und Autoren, um ihre neuesten Werke zu präsentieren. Pro Helvetia organisiert im Rahmen von «Leipzig liest» zwei Veranstaltungen im Neuen Schauspiel Leipzig und unterstützt zahlreiche weitere Lesungen von Schweizer Autorinnen und Autoren, u.a. am Schweizer Gemeinschaftsstand.
Glanz und Grauen im feministischen Spiegelkabinett – Carte Blanche für das queerfeministische Veranstaltungskollektiv feministischer salon basel
Mit Nora Osagiobare, Petra Piuk, Gianna Rovere & Katja Brunner
Moderation: Katha Florin Baur & Franca Schaad (feministischer salon basel)
Vier Autorinnen aus der Schweiz und Österreich halten der Gegenwart einen literarischen Spiegel vor – schräg, scharf, suchend. Im feministischen Spiegelkabinett verzerren, vervielfältigen und brechen sich gesellschaftliche Bilder: von Alltag und Macht, Körpern und Blicken, Technik und Begehren.
Nora Osagiobares Debüt «Daily Soap» (Kein & Aber) erzählt von Toni, die zwischen Alltagsrassismus, familiären Abgründen und Reality-TV kurz abzuschalten versucht – und dabei merkt, wie sehr das eigene Leben zur Seifenoper wird. Wenn private Verstrickungen und öffentliche Inszenierungen aufeinandertreffen, stellt sich die Frage: Wer schaut hier eigentlich wem zu?

Gianna Roveres «Episoden von Alltagselefanten» (Verlag sechsundzwanzig) sammelt, tastet, verschiebt. In kaleidoskopartigen Kurztexten entstehen überraschende Verbindungen zwischen Elefant*innen und Frauen, zwischen Körpern, Volumen und den Blicken, die sie formen. Eine literarische Spurensuche nach Selbstzweifeln, Scham und Widerstand – ausgelöst durch eine beiläufige, herablassende Beobachtung im Zoo.

In Petra Piuks dystopischem Roman «Hotel Love» (Leykam) ist das Jahr 2031 angebrochen: Frauenrechte sind abgeschafft, Männer und KI regieren. Die «neue Familie» wird propagiert, und ein Mann erschafft sich die perfekte, gehorsame Partnerin. Bitterböse Satire trifft auf beklemmende Zukunftsvision – erschreckend nah an der Gegenwart.

Den literarisch-musikalischen zweiten Teil des Abends gestaltet Katja Brunner. In «Die Kunst der Wunde» (Verlag Der gesunde Menschenversand) seziert sie mit sprachlicher Wucht die Verhältnisse unserer Zeit. In der Vielstimmigkeit öffnen sich gesellschaftliche Risse: zwischen Freiheit und Kontrolle, Würde und Gewalt, Staat und Körper. Ein aufwühlender Ritt durch Abgründe und Widerstände – und durch die Kraft der Sprache selbst.

Ein Abend zwischen Lesung, Gespräch und Performance, kuratiert von Katha Florin Baur und Franca Schaad vom feministischen salon basel: vier Perspektiven, viele Spiegelungen – und Fragen, die offen bleiben.
Neue Literatur aus der Schweiz: Flurina Badel, Laura Vogt & Julia Weber
Musikalisch begleitet von der schweizerisch-ghanaischen Sängerin und Elektronik-Künstlerin Joy Frempong.
Moderation: Wiebke Porombka
Anlässlich ihrer Neuerscheinungen diskutieren Flurina Badel, Laura Vogt und Julia Weber mit Literaturredakteurin Wiebke Porombka (Deutschlandradio) u.a. über den Verlust von Menschen und Orten, über Vergänglichkeit und Trauer, Versöhnung und Liebe – und die Möglichkeit der Selbstermächtigung. Musikalisch untermalt wird der Abend von der schweizerisch-ghanaischen Sängerin und Komponistin Joy Frempong (OY), die sich mit ihrer Musik frei zwischen den Welten von Elektronik, Avant-Pop, Afrobeats, Improvisation und Jazz bewegt.

Flurina Badels Romandebut «Nebelflüchtige» (Rotpunktverlag), übersetzt aus dem Rätoromanischen von Ruth Gantert, erzählt von zwei jungen Menschen im schweizerischen Unterengadin, die den Ausverkauf ihrer Heimat auf sehr unterschiedliche Weise erleben: Aita muss hinnehmen, dass ihre Brüder kurz nach dem Tod der Mutter das Elternhaus an die Meistbietenden verkaufen – während ihr alter Schulfreund Luis verzweifelt versucht, die lokale Bevölkerung davon zu überzeugen, der Immobilienspekulation standzuhalten. Ein vielstimmiger, poetischer und packender Roman über das Aufeinanderprallen unterschiedlicher Lebenswelten.

In ihrem Roman «Das Jahr des Kalks» (Dörlemann) schreibt Laura Vogt von einer jungen Künstlerin und Mutter, die sich von ihrem sterbenden Onkel verabschieden muss. Dabei denkt sie unweigerlich an ihren Vater, der die Familie früh verlassen hat. In der Auseinandersetzung mit diesem doppelten Schmerz fängt sie an, sich mit Kalk zu beschäftigen. Indem sie dem Abstrakten etwas Konkretes entgegensetzt, findet sie einen Weg, ihre Trauer zu bewältigen. Ein ebenso feinsinniger wie lebenskluger Roman über Vergänglichkeit und Versöhnung.

Julia Webers Roman «Weil ich Ruth bin» (Limmat Verlag) handelt von einem ganz besonderen Menschen. Ruth kommt mit einem Fell zur Welt wie schon ihre Mutter und ihre Grossmutter, am Ende der Kindheit verliert sie es. Und Ruth hat «die Kraft». Diese Kraft teilt sie mit den Menschen; sie sehen bei ihr das Glück, sehen, was sein könnte und nicht ist, was sie vergessen haben und jetzt vermissen. Doch dann kommt Linda, die grosse, schöne Linda. Die verheiratete Linda. Was soll jetzt werden? Eine verblüffende Geschichte voller Magie in einer einzigartig sinnlichen Sprache.

Veranstaltungen am Schweizer Gemeinschaftsstand (Halle 5, Stand G401)
19. März 2026
- 11.00 Uhr Katja Fusek, «Temná», edition 8
- 12.00 Uhr Thomas Pfenninger, «Die noch leben», Kommode Verlag
- 13.00 Uhr Béla Rothenbühler, «Polyphon Pervers», Voland & Quist
- 14.00 Uhr Sasha Filipenko, «Die Elefanten», Diogenes
- 16.00 Uhr Demian Cornu, «Einmachglas», zeitkind Verlag
20. März 2026
- 11.00 Uhr Marc Du Buisson, «Vier Freunde liefern ab», Zytglogge
- 12.00 Uhr Walter Fabian Schmid, «Schattenwurf», Nagel & Kimche
- 13.00 Uhr Tom Kummer, «Freiwürfe mit einem Diktator», Tropen
- 14.00 Uhr Martina Caluori, «Schatten der Pinus», lectorbooks
- 15.00 Uhr Catalin Dorian Florescu, «Matei entdeckt die Freiheit», Rowohlt Berlin
- 16.00 Uhr Julia Sutter, «Und das wäre erst der Anfang», Frankfurter Verlagsanstalt
- 17.00 Uhr Dana Grigorcea, «Tanzende Frau, blauer Hahn», Penguin
21. März 2026
- 10.45 Uhr Claudia Wirth, «Ein Kuchen für das Krokodil», Jungbrunnen
- 12.00 Uhr Flurina Badel, «Nebelflüchtige», Rotpunktverlag
- 13.00 Uhr Julia Weber, «Weil ich Ruth bin», Limmat Verlag
- 14.00 Uhr Laura Vogt, «Das Jahr des Kalks», Dörlemann
- 15.00 Uhr Angelika Overath, «Calanda oder Alvas Antwort», Luchterhand
22. März 2026
- 11.30 Uhr Katja Alves, «Heidi und die verschwundenen Geißen», NordSüd
- 12.30 Uhr Marina Vidović, «Richtig im falschen Leben», Arisverlag
- 13.30 Uhr Jessica Juni, «Lautlos fallen wir», Zytglogge
Schweizer Veranstaltungen im Neuen Schauspiel Leipzig
- Freitag, 20. März 2026, 20:00 Uhr: Glanz und Grauen im feministischen Spiegelkabinett
- Samstag, 21. März 2026, 20:00 Uhr: Neue Literatur aus der Schweiz
Neues Schauspiel Leipzig, Lützner Str. 29, 04177 Leipzig
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