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Prioritäre Jazzförderung

Marie Krüttli – Post-Lockdown Interview

Marie Krüttli

© Dmitrij Gawrisch

Energiegeladen und voller Kreativität geht das Trio um die Westschweizerin Marie Krüttli neue Wege im modernen Jazz. Sie am Piano, Lukas Traxel am Kontrabass und Jonathan Barber am Schlagzeug: Gemeinsam vereinen sie komplexe Rhythmen mit einem klaren Klang und schaffen damit den Spagat zwischen Tief- und Leichtsinn.

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Was haben Jazz Musiker und Musikerinnnen aus der Schweiz während des Lockdowns gemacht? Und wie geht es für sie weiter? Marie Krüttli spricht über ihren täglichen Leben während der Pandemie und ihren Sorgen um die Zukunft der Konzerte. Pro Helvetia unterstützt Marie Krüttli Trio im Rahmen der prioritären Jazzförderung.

«Die Jazzbranche war bereits vorher in einem schlechten Zustand und sie wurde von dieser Krise weiter geschwächt.»

Was hast du während des Lockdowns gemacht?  

Ich habe mit Hilfe von Videos, Artikeln, Online-Musik und Texten weiter unterrichtet. Ich habe 12 erwachsene Schülerinnen und Schüler hier in Berlin, die bereit waren, den Unterricht online weiterzuführen. Zudem habe ich ein Stück für ein Video komponiert, das wir mit dem Berliner Schlagzeuger Ludwig Wandinger für das Schaffhausen Jazz Festival aufgenommen haben. Und ich habe angefangen, Lieder zu schreiben, die in eine etwas andere Richtung gehen. Aber es ist noch zu früh, um mehr darüber zu erzählen. 

Welche Fragen haben dich während des Lockdowns beschäftigt?  

Vor allem Fragen in Bezug auf die Zukunft der Jazzkonzertmusikerinnen und -musiker. Die Jazzbranche war bereits vorher in einem schlechten Zustand und sie wurde von dieser Krise weiter geschwächt. Dadurch stellte sich mir auch die Frage der Wiederaufnahme des Studiums, was durchaus eine Möglichkeit für mich ist. Denn auch nach der Aufhebung des Lockdowns werden meiner Ansicht nach zahlreiche Distanzmassnahmen bleiben. Auch im Idealfall, wenn alles wieder «wie vorher» wird, werden die Leute auf jeden Fall vor Menschenmengen, beispielsweise an Festivals, zurückschrecken. 

Welche Erfahrungen konntest du mit den neuen digitalen Formaten machen (im Internet, in den sozialen Netzwerken usw.)? 

Mit meinem Unterricht habe ich einige Möglichkeiten ausprobiert. In den sozialen Netzwerken war ich weiter ziemlich aktiv, aber das war ich bereits zuvor.  

Wie gehst du mit dieser Zeit voller Unsicherheiten in Bezug auf die Öffnung um? 

Ich hatte nie Angst vor dem Virus, sondern mehr vor dem, was es mit der Menschheit macht. Letztens bin ich mir bewusst worden, dass wir mit den Schutzmasken nicht mehr lächeln «müssen». Niemand sieht es. Ich habe mir gesagt «Manno, wir werden uns abgewöhnen, den Leuten zuzulächeln.» Solche Dingemachen mir Angst. 

Was bleibt von den zwei letzten Monaten? Gibt es etwas aus der Zeit des Lockdowns, das du in die Zukunft mitnehmen möchtest? 

Weiterhin Zeit für mich und mir allgemein mehr Zeit nehmen.