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Marie Schumann über ihre Residenz im Palazzo Trevisan degli Ulivi

© Marie Schumann | «Wall Folds (I could see them to infinity, fold upon fold, fold after fold)», Palazzo Trevisan, 2021

Marie Schumanns Kunstinstallation im öffentlichen Raum

« Unfolding Space »

Textilinstallation auf der Giudecca vom 26. März bis 1. April 2022

Palazzo Trevisan degli Ulivi, Venedig

Weitere Informationen zum Programm vor Ort:

Programm NEW ECHO SYSTEM

Mit den Bildern von Marie während ihrer Residenz den Alltag in Venedig kennenlernen:

Visuelles Tagebuch

Die visuelle Künstlerin Marie Schumann wurde im Herbst 2021 für eine dreimonatige Residenz im Palazzo Trevisan degli Ulivi in Venedig ausgewählt. Die von Pro Helvetia angebotenen Aufenthalte in Venedig ermöglichen Kulturschaffenden den Aufbau von fruchtbaren und langfristig angelegten Verbindungen zu Gemeinschaften in Venedig mittels künstlerischer Aktivität. Ziel ist die Förderung von künstlerischen Recherchen in Hinblick auf die aktuelle kulturelle und soziale Lage in Venedig, die städtischen Gemeinschaften sowie die Transformationsprozesse.

Das erzählt Marie Schumann von ihrem Aufenthalt im Schweizer Kulturzentrum «Palazzo Trevisan»:

«Meine Recherchen zu architekturbezogenen Textilien im öffentlichen Raum auf der einzigartigen Insel Venedig waren eine unerwartete, inspirierende und bereichernde Erfahrung. Das Leben und Arbeiten im Schweizer Kulturzentrum «Palazzo Trevisan», dem Durchführungsort verschiedener Events, auch an den Biennalen von Venedig, war mit vielfältigen sozialen Interaktionen in einem sehr spezifischen kulturellen Raum verbunden. Einerseits befindest du dich in einer Zwischenwelt, einer kulturellen Blase, die jedes Jahr rund um die Biennale entsteht. Andererseits gehst du auch raus und triffst Einheimische. Dazu musst du die Blase verlassen und das Alltagsleben auf einer Insel verstehen, die überwältigt wird von Touristenmassen, in der Zeit erstarrten historischen Idealen und wirtschaftlichem Druck.

Ich folgte den Fäden durch Raum und Zeit und erforschte in Textilunternehmen und Archiven die Geschichte des Webens (Bevilacqua La Masa, Archivio Storico – Rubelli). Die Architektur und die allgegenwärtigen Textilien draussen in der Stadt erinnerten mich stark an die Verwendung von Stoffen und Falten im Barock. Ich konnte sie sehen bis “ins Unendliche, Falte auf Falte, Falte nach Falte”.*

Ich fing an, diese Elemente in meine Arbeit zu integrieren, und verwandelte Architektonisches in «Wall Folds», Textilstrukturen und Dimensionen. Im März 2022 gelangen diese Werke in Form einer Textil-Installation wieder nach draussen in den öffentlichen Raum, wobei auch einige soziale Aspekte eingewebt werden sollen. Bei meinen Besuchen in einer lokalen Häkelgruppe und dem gemeinsamen Arbeiten mit Garn erschlossen sich mir weitere Aspekte sowohl des Materials als auch des Insellebens. Die Erfahrung war sehr bereichernd.»

– Marie Schumann

* Deleuze, Gilles. Die Falte. Leibniz und der Barock. Suhrkamp Verlag. Frankfurt am Main. 2020. S.11.


Fotografie: © Marie Schumann | « Wall folds »