Annexe bespielt den Schweizer Pavillon an der Architekturbiennale Venedig 2025  

Biennalas da Venezia

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© Axelle Stiefel – Sketch of process

Was wäre, wenn nicht Bruno Giacometti, sondern Lisbeth Sachs den Schweizer Pavillon in den Giardini della Biennale di Venezia entworfen hätte? Die zwischen Genf und St. Gallen tätige Gruppe Annexe befragt im Schweizer Beitrag zur 19. Internationalen Architekturausstellung – La Biennale di Venezia Positionen von Architektinnen in der Geschichte und heute. Die Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia hat Annexe nach einem zweistufigen Auswahlverfahren nominiert.

Lisbeth Sachs (1914-2002) war eine der ersten eingetragenen Architektinnen der Schweiz und Zeitgenossin des Architekten Bruno Giacometti, der den Schweizer Pavillon in den Giardini della Biennale di Venezia entwarf. Das Projektteam beabsichtigt, die temporäre Kunsthalle von Lisbeth Sachs, welche für die schweizerische Ausstellung für Frauenarbeit (SAFFA) 1958 in Zürich errichtet wurde, im Schweizer Pavillon wieder aufleben zu lassen. 

«Keiner der insgesamt 30 permanenten Länderpavillons in den Giardini wurde von einer Architektin entworfen oder gebaut. Diese Lücke lässt sich nicht durch die Rekonstruktion von Lisbeth Sachs’ Kunsthalle füllen. Mit unserer Arbeit wollen wir ein körperliches Raumerlebnis schaffen, das für die Dauer der Architekturausstellung neue Zugänge eröffnet», sagen Elena Chiavi, Kathrin Füglister, Amy Perkins und Myriam Uzor, die das Projekt in Zusammenarbeit mit Axelle Stiefel und Emma Kouassi umsetzen werden. 

Gemäss der Jury «nimmt das Projektteam die Abwesenheit von Architektinnen bei der Entstehung der Pavillons auf dem Hauptausstellungsgelände der Biennale zum Anlass, sich nicht nur mit der mangelnden Anerkennung der Arbeit von Frauen in der Architekturgeschichte auseinanderzusetzen, sondern auch der anhaltenden Ungleichheit zwischen den Geschlechtern im Architekturberuf und im Bausektor entgegenzuwirken.» Nicht nur die endgültige Form, sondern ebenso der Entstehungsprozess ist für die Ausstellung zentral.

Philippe Bischof, Direktor von Pro Helvetia, ist der einstimmigen Juryempfehlung gefolgt und hat das Projekt für die 19. Architekturbiennale 2025 nominiert.  

Detaillierte Informationen folgen Ende 2024.  

Das Projektteam 

Annexe arbeitet an den Schnittstellen von Architektur und Performance. Das Konzept für den Schweizer Pavillon wurde von den Architektinnen Elena Chiavi, Kathrin Füglister, Amy Perkins und Myriam Uzor in Zusammenarbeit mit der Künstlerin Axelle Stiefel und der Grafikerin Emma Kouassi entwickelt.  

Das Auswahlverfahren 

Die Auswahl geschah in einem zweistufigen Prozess. In der ersten Phase empfahl ein fünfköpfiges Gremium aus nationalen und internationalen Expertinnen und Experten Persönlichkeiten und Teams. Diese wurden von Pro Helvetia eingeladen, zu Handen einer Jury ein Konzept für die Gestaltung des Schweizer Pavillons zu entwickeln. Neun Projektideen wurden anschliessend in einem zweistufigen Wettbewerb juriert. 

Die Jury 

Die Fachjury bestand aus Anna Heringer (Laufen/Deutschland), Barbara Holzer (Zürich/Schweiz), Torsten Lange (Luzern/Schweiz), Charlotte Malterre-Barthes (Lausanne/Schweiz) und Evelyn Steiner (Zürich/Schweiz).   

Die Ausstellung  

Die 19. Internationale Architekturausstellung, La Biennale di Venezia findet vom 24. Mai bis 23. November 2025 statt.  

Die Internationale Architekturausstellung – La Biennale di Venezia findet alle zwei Jahre statt und wechselt sich im Jahresturnus mit der Internationalen Kunstausstellung ab. Die Schweiz nimmt an der Biennale Arte seit 1920 teil, an der Biennale Architettura seit 1991. Sie unterhält in den Giardini der Biennale einen eigenen Pavillon, für dessen Betrieb und Bespielung seit 2012 Pro Helvetia verantwortlich ist.  

Der Schweizer Pavillon in Venedig wurde vom Schweizer Architekten Bruno Giacometti entworfen und 1951/52 erbaut.