Looking back: SwissGames an der Gamescom 2025 (Teil 1/2)

Design

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Die Gamescom 2025 war ein echtes Highlight – und SwissGames war mit einer starken Delegation dabei: Insgesamt 14 Studios nahmen teil, um ihre Spiele zu präsentieren und Kontakte zu knüpfen. In unserem zweiteiligen Messerückblick berichten sie von ihren Erfahrungen.

Die Gamescom ist eine der weltweit grössten Consumer-Messen für Videospiele – und die führende Fachmesse für Promotion, Networking und Matchmaking. Wie in den Vorjahren war Pro Helvetia mit seiner Initiative SwissGames vor Ort, um die Schweizer Games-Branche und ihre Erzeugnisse einem internationalen Publikum zu präsentieren. Der grosse SwissGames-Stand in der Business-Area (Halle 4.1) erwies sich als beliebter und stark frequentierter Treffpunkt für Branchenprofis, Partnerinnen und Partner sowie Freundinnen und Freunde der Schweizer Games-Entwicklung. Neben einer Reihe Schweizer Studios war dort auch die Initiative «She Got Game» vertreten, ein internationales Mentoring- und Networking-Programm für Frauen im Bereich Game Design, das die Chancengleichheit in der Videospielbranche fördern will. 

Grosser Beliebtheit erfreute sich zudem der SwissGames-Stand im Publikumsbereich der Messe: Im Rahmen der « Indie Arena Booth » in Halle 10.2 konnten Spielefans fünf ausgewählte Schweizer Games ausprobieren – und machten von diesem Angebot auch regen Gebrauch.

SwissGames-Stand auf der Gamescom 2025
Perfekt für Networking und Erfahrungsaustausch: der SwissGames-Stand © PVM Production

Vernetzung im Fokus 

Für Luca Cannellotto ist die Gamescom-Präsenz der Marke SwissGames gleich aus mehreren Gründen ein Gewinn. «Wir bieten Schweizer Game-Studios eine Plattform mit hohem Wiedererkennungswert, die sie nutzen können, um sich einem breiten Fachpublikum zu präsentieren – aber auch interessierten Konsumenten». Im Zentrum stehe ganz klar die Vernetzung mit Industrievertreterinnen und Industrievertretern im Allgemeinen und potenziellen Finanzierungspartnerinnen und -partnern im Speziellen. «Die Gamescom ist eine der grössten Messen dieser Art weltweit und durch ihre Nähe zur Schweiz für uns ein zentraler Programmpunkt des Jahres im Rahmen unserer Förderung», betont Cannellotto. Auch die unmittelbar vor der Gamescom stattfindende Entwicklerkonferenz Devcom ist eine erstklassige Gelegenheit für Vernetzung und Erfahrungsaustausch. 

Entsprechend umfangreich war das Programm, das SwissGames seinen Gästen in Köln bot. Am Stand im Business-Bereich fanden über die drei Fachbesuchertage hinweg regelmässig Treffen von Entwicklerinnen und Entwicklern, Publishern und Investorinnen und Investoren statt. Programm-Highlights waren Events wie «All you can coffee» und «SwissDrinks», an denen besonders viele Branchenvertreter teilnahmen. Zusätzlich zu den Ständen im Business- und Consumer-Bereich zeigte SwissGames auch bei anderen Veranstaltungen Präsenz. Luca Cannellotto hebt hier die European Game Night hervor, «die von unserem Partner SpielFabrique ausgerichtet wird – und an der Schweizer Studios ihre Projekte vor einem Fachpublikum pitchen durften». Auch an der Devcom-Party «CourageCologne» nahmen etliche Schweizer Game-Developer teil. «Für die Visibilität von Schweizer Games war also gesorgt», freut sich Cannellotto. 

Vier Personen posieren für ein Gruppenfoto am Eingang der Gamescom.
Das Team von obleak games aus Zürich © obleak games

Für die teilnehmenden Schweizer Studios war das Ganze eine ideale Gelegenheit, ihre Spiele zu präsentieren und Kontakte zu knüpfen. Das Zürcher Studio obleak games zeigte in Köln gleich zwei Spiele, die sich noch in der Entwicklung befinden. Zum einen «In Full Bloom», bei dem die Player eine nimmersatte und stetig wachsende Kreatur – in Tamagotchi-Manier – mit immer grösseren Bestandteilen der Spielwelt füttern. Und zum anderen das stylishe und schnelle «ABSCONDER», bei dem die Player – aus der Top-Down-Perspektive – aus einem riesigen Gefängniskomplex flüchten müssen. «Wir haben Vertical Slices unserer Projekte gezeigt», erzählt Studio-Mitgründerin und Game-Designerin Lisa Bach. So habe man dem Publikum schon zu diesem Zeitpunkt die Essenz der Spiele präsentieren können. Das Studio wird von Pro Helvetia nicht nur bei der Teilnahme an Messen unterstützt, sondern hat auch einen Game Design Work Grant für die Vorproduktion von «In Full Bloom» erhalten.

Gespräche mit Scouts 

Für Bach ist die Gamescom «einer der Orte, an denen man – gut vorbereitet – wertvolle Meetings haben kann, um eine mögliche Zusammenarbeit mit Publishern in die Wege zu leiten». Auf dem Messegelände seien permanent Publisher-Scouts unterwegs, mit denen man auch spontan am SwissGames-Stand ins Gespräch kommen könne. Sehr hilfreich findet Bach zudem die Reaktionen und das Feedback der Besucherinnen und Besucher während der Demo-Sessions. «Besonders schön ist der Austausch und das Fachsimpeln mit anderen Game-Designern.»

“In Full Bloom”: Eines von zwei Spielen, die obleak games am SwissGames-Stand präsentierte. © obleak games

Ebenfalls aus Zürich ist das Studio Amberbite Games, das in Köln sein Spiel «Shoe it All!» zeigte: Ein physikbasiertes Geschicklichkeitsspiel, bei dem man auf einer Schaukel sitzt und seine Schuhe in humorvoll gestaltete Levels schleudert. Im Mittelpunkt steht – den Entwicklern zufolge – der Spass daran, mit dem Schuhschleudern Chaos zu stiften – und gleichzeitig auf kreative Art und Weise Rätsel zu lösen. «Shoe it All!» wurde von Pro Helvetia mit einem Pre-Production Grant gefördert; im Rahmen der SwissGames-Delegationen nahm das Entwicklerteam auch schon an der letztjährigen Gamescom und der Tokyo Game Show 2024 teil. 

Jan Hobi von Amberbite Games zeigt «Shoe it All!»
Jan Hobi von Amberbite Games zeigt «Shoe it All!» © PVM Production

«Wir haben dieses Jahr in Köln die öffentliche Steam-Demo präsentiert, die kurz vor der Gamescom veröffentlicht wurde – mit 17 handverlesenen Levels und zwei von drei einzigartigen Schuh-Mechaniken», sagt Game-Designer und Co-Founder Jan Hobi. Für Amberbite ging es bei der Gamescom in erster Linie darum, Kontakte zu Publishern aufzubauen – und ihnen dann das Spiel zu pitchen. «Im Vergleich zum Vorjahr waren viele Publisher offener und interessierter», berichtet Hobi. «Dadurch konnten wir nach der Gamescom die Firma Bright Gambit als unseren Co-Publishing-Partner gewinnen.» Ganz grundsätzlich biete die Messe wertvolle internationale Sichtbarkeit, so der Entwickler. Auch vom Feedback der Spieler am Messestand könne Amberbite nun profitieren. «Es war spannend, die Live-Reaktionen auf unsere Demo mitzuerleben und daraus konkrete Verbesserungen abzuleiten», schwärmt der Entwickler.

Lilian Khov von Amberbite Games zeigt «Shoe it All!» © PVM Production

Weltpremiere am SwissGames-Stand 

Naraven Games aus Lausanne arbeiten gerade an «The Dropouts». Das gruselige Mystery-Game spielt am fiktiven Schweizer Internat «Noirmont High», wo allerlei mysteriöse Dinge geschehen. Die Protagonistin Lou versucht, den Geschehnissen auf den Grund zu gehen; die Spielenden bewegen sich dabei durch eine 3D-Welt, während die Dialoge in originellen 2D-Comic-Sequenzen stattfinden. «Wir haben in Köln eine neue Demo unseres Spiels präsentiert, die vorher noch nie gezeigt worden war – weder auf einer physischen Messe noch digital», berichtet Drehbuchautorin Julia Jeanneret. «Die Demo bestand aus Kapitel 1 unseres Spiels. Der Rest befindet sich derzeit noch in der Alpha.» Für die Entwicklung von «The Dropouts» hat Naraven von Pro Helvetia einen Pre-Production Grant erhalten. Das im Jahr 2023 veröffentlichte Erstlingswerk «backfirewall_» erhielt Förderungen für Pre-Production und Production.

Da Naraven Games mit dem schwedischen Spelkollektivet bereits einen Publisher gefunden hat, hatte das Studio an der Gamescom andere Ziele: Vor allem ging es dem Team darum, Playtesting-Gelegenheiten auszuschöpfen und Feedback potenzieller Spielerinnen und Spieler zu sammeln. «Deshalb waren wir ausschliesslich am Indie Arena Booth vertreten und nicht im Business-Bereich des SwissGames-Stands», erläutert Jeanneret. Ausserdem nahm Naraven an dem von der Gamescom organisierten Steam-Event teil, um neue Wishlist-Einträge zu generieren. Auch einige Treffen mit Pressevertretern habe es im SwissGames-Bereich des Indie Arena Booth gegeben, erzählt Jeanneret. «Wir hatten einige Interviews und haben vielversprechende Kontakte zu Influencern geknüpft.»

Gruppenfoto von Naraven Games aus Lausanne
Naraven Games aus Lausanne zeigen «The Dropouts». © Naraven Games

Förderung mit «She Got Game» 

Plaid Games aus Basel ist mit seinem Spiel «Skyfarm» Teil des Pro-Helvetia-Förderprogramms «She Got Game» – und war ebenfalls am SwissGames-Stand präsent. Das international ausgerichtete Programm wurde 2022 ins Leben gerufen, um talentierte Game-Entwicklerinnen zu fördern und damit die Gleichberechtigung in der Games-Branche voranzubringen. Nach einer dreijährige Pilotphase hat Pro Helvetia «She Got Game» nun verstetigt und in seine regulären Förderaktivitäten integriert. Das Programm umfasst individuelles Mentoring, Vorträge, Pitch-Training sowie einen finanzielle Unterstütztung. Für Plaid Games war die Teilnahme «äusserst hilfreich, um das eigene Netzwerk zu erweitern», betont Studiogründerin Lena Frei. «Im Vordergrund stand, erste Kontakte zu Publishern und Plattformen zu knüpfen sowie einen offenen Austausch mit verschiedenen Personen der Games-Industrie zu führen.»

Lena Frei (r.) und Anna Dippert am SwissGames-Stand.
Lena Frei (r.) und Anna Dippert präsentieren «Skyfarm» am SwissGames-Stand. © Plaid Games

Besonders wertvoll war für Frei das direkte Feedback zum Gameplay; sie freut sich, «dass das Spiel auf Interesse stösst und meine Vision Anklang findet» . Das Spiel «Skyfarm» ist eine gemütliche Gartenbausimulation: Man lebt auf dem Dach eines Wolkenkratzers in einer überfluteten Megacity und baut dort Obst und Gemüse nach dem Permakultur-Prinzip an. Spieler erschaffen selbstregulierende Ökosysteme, fördern die Artenvielfalt, speichern Energie möglichst effizient und recyclen Rohstoffe. Für Lena Frei war es das erste Mal, dass sie als Entwicklerin an einem Event wie der Gamescom teilnahm. «Deshalb war es eine tolle, aber auch sehr intensive Erfahrung.»

Lena Frei von Plaid Games
Lena Frei von Plaid Games präsentiert «Skyfarm». © PVM Production

Über SwissGames

Auf Initiative der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia präsentiert SwissGames den Schweizer Games-Cluster im In- und Ausland. Unser Ziel ist es, Schweizer Entwickler*innen mehr Sichtbarkeit zu verschaffen, sie mit der globalen Gamesbranche zu vernetzen und ihnen den Zugang zu neuen Märkten zu erleichtern. Unter SwissGames organisieren und begleiten wir die Präsenz der Schweiz an internationalen Schlüsselveranstaltungen über das ganze Jahr hinweg – mit Schwerpunkt auf unseren Hauptdelegationen an der Gamescom, der GDC und der Nordic Game.