Schweizer Pavillon an der 61. Internationalen Kunstausstellung – La Biennale di Venezia

Communicaziun a las medias, Biennalas da Venezia

Remartga: Quest artitgel n’è betg disponibel per rumantsch.

Audience in a Swiss television studio in 1984.
Agora: Homosexualité, 1984, still image, Courtesy SRG SSR (Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft / Société suisse de radiodiffusion et télévision)

Der Schweizer Pavillon an der 61. Internationalen Kunstausstellung – La Biennale di Venezia präsentiert The Unfinished Business of Living Together – eine Ausstellung, die von den Kuratoren Gianmaria Andreetta und Luca Beeler zusammen mit der Künstlerin Nina Wakeford konzipiert und in Zusammenarbeit mit den Kunstschaffenden Miriam Laura Leonardi, Lithic Alliance und Yul Tomatala entwickelt wurde. 

The Unfinished Business of Living Together betrachtet das Zusammenleben sowohl als soziales Versprechen wie auch als umkämpfte Form. Das Projekt setzt die Kunst dazu ein, das Archiv als Ort der Intervention und der aktiven Auseinandersetzung wieder zu öffnen.

Es beginnt mit Stimmen, die im Schweizer Fernsehen in einer Episode der Sendung Telearena von April 1978 ausgestrahlt wurden, in der das sogenannte «Problem der Homosexualität» öffentlich und kontrovers mit Live-Publikum diskutiert wurde. Diese Sendung gehörte zu den ersten, in denen sich Personen, die sich als homosexuell identifizierten, über subkulturelle Gruppen hinaus öffentlich Gehör verschaffen konnten, indem sie schweizweit Koalitionen zwischen lesbischen und schwulen Communitys bildeten. Das Thema wurde sechs Jahre später von der französischsprachigen Talkshow Agora (1984) erneut aufgegriffen, die via Satellit Schweizer, französische und kanadische Zuschauer zusammenbrachte. Beide Sendungen verwendeten Live-Sketche, die von der Schauspielabteilung des Fernsehens geschrieben worden waren, um die Diskussion im Studio anzuregen und das Publikum zu ermuntern, ausgehend von eigenen Erfahrungen zu antworten.

Für das künstlerische Team von 2026 sind die Herausforderungen des Zusammenlebens noch nicht gelöst und können auf äusserst unterschiedliche Weise angegangen werden. Bemühungen um gesellschaftlichen Wandel konkurrieren noch immer mit etablierten Normen und institutionalisierten Systemen der Ausgrenzung und des Schweigens. Innerhalb dieses Netzwerks dient Homosexualität als ein historisch spezifischer Ausgangspunkt, um zu untersuchen, auf welche Weise soziale Normen bestimmen, wer sprechen darf und wer gehört wird. Diese Diskussionen lassen umfassendere Muster erkennen: von staatlichen Sicherheitsinteressen, die Überwachung legitimieren, bis hin zu Moralpaniken um die Kernfamilie und sie zeigen, wie diverse Formen von Andersartigkeit als Bedrohung für die gesellschaftliche Ordnung empfunden werden.

Teaser Video Biennale 2026: The Unfinished Business of Living Together. Concept and Editing by Miriam Laura Leonardi, Drone views by Samuele Cherubini,
CGI by Paul Fritz, Soundtrack by Tina Kohler

Die Ausstellung inszeniert sowohl die Möglichkeiten als auch die Spannungen des «Zusammen-Lebens». Im Zentrum der Schau mischt eine raumbezogene Videoproduktion archivalisches Filmmaterial mit neuen Bildern und Ton. Die Ausstellung, die sich bis in den Garten des Pavillons erstreckt, untersucht die Risiken von Intimität im öffentlichen Raum, wie das Gedächtnis an einem Ort verankert ist und wie das Archiv als lebendige Quelle für unterschiedliche Narrative reaktiviert werden kann.

Die Ausstellung greift mittels Montage und Installation die formalen Mechanismen dieser Fernseh-Talkshows wieder auf, inszeniert sie neu und eröffnet damit umfassendere Fragen zu Medienstrukturen.

Die Gruppe erklärt dazu: 

«Wir kommen aus verschiedenen Sprachregionen der Schweiz und darüber hinaus. Wir repräsentieren verschiedene Generationen. Und wir haben internationale Perspektiven. Was wir erreichen wollen, ist ein Pavillon, in dem sich die Besucherinnen und Besucher fragen: Wann und wo passiert das? Hat das Archiv hier Autorität? Die Betrachtenden suchen sich eine Position oder ändern vielleicht ihre Meinung.» 

Die Ausstellung ist das Ergebnis gemeinschaftlicher künstlerischer und kuratorischer Arbeit. Alle Mitglieder der Gruppe bringen ihre eigene Expertise und weitere Komplexitätsebenen mit ein. The Unfinished Business of Living Together experimentiert im Grunde genommen mit der Frage, wie Stimmen, Räume und Perspektiven geteilt werden können und wie sie kontinuierlich neugestaltet werden müssen.

The artists nominated for the Swiss contribution to the 2026 Art Biennale.
UBOLT – Unfinished Business of Living Together. ©Del LaGrace Volcano

Projektteam 

Gianmaria Andreetta (Berlin)
Gianmaria Andreetta ist ein Schriftsteller und Kurator aus Lugano, der in Berlin lebt. Er ist derzeit Co-Direktor von The Wig in Berlin und hat an vielen Orten Europas kuratiert. Der Preisträger des Swiss Art Award unterrichtet regelmässig und publiziert zu zeitgenössischer Kunst.

Luca Beeler (Zürich)
Luca Maria Beeler (geboren 1985) ist ein in Zürich ansässiger Kurator. Als Direktor der Stadtgalerie Bern entwickelte er ein forschungsorientiertes, auf Kunstschaffende ausgerichtetes Programm und hat Ausstellungen in den wichtigsten Schweizer Institutionen kuratiert. Er lehrte an der Hochschule für Kunst und Design HEAD in Genf und an der F+F Schule für Kunst und Design Zürich.

Nina Wakeford (London)
Nina Wakeford (geboren 1968) ist Künstlerin, Soziologin und Kunstdozentin an der Goldsmiths, University of London. Ihre Arbeit wurde unter anderem im ICA London, im Barbican und beim Glasgow International Festival ausgestellt. Sie hat kürzlich ihre umfangreichen Oral-History-Forschungen in der Schweiz für ihre Ausstellung Concrete Comeback ⚣⚢ Arms Are For Linking abgeschlossen.

Miriam Laura Leonardi (Zürich)
Miriam Laura Leonardi (geboren 1985) ist Künstlerin und Dozentin im Bachelor of Fine Arts an der Kunsthochschule École cantonale d’art de Lausanne ECAL. Ihre multimediale Praxis artikuliert sich in ortsspezifischen Installationen, Skulpturen und Videos und wurde international bereits umfassend ausgestellt. Sie leitete mehrere kuratorische Projekte und betreibt in ihrem Züricher Atelier den Projektraum Photography Exhibit!.

Lithic Alliance (Zürich/Brüssel)
Lithic Alliance ist ein mehr-als-menschliches Kollektiv, das 2020 von Dani V. Keller (geboren 1987) ins Leben gerufen wurde. Über die Lithologie hinausgehend erkundet es mineralische Energien, Vibrationen und eigenartige Resonanzen. Die Arbeit des Kollektivs wurde bereits international ausgestellt, unter anderem im Institute of Contemporary Arts ICA London, in der Kunsthalle Bern und im Kunstmuseum Radvilas Palast.

Yul Tomatala (Genf)
Yul Tomatala (geboren 1993) ist ein in Genf ansässiger Künstler mit Abschlüssen an der École cantonale d’art de Lausanne ECAL und der Kunsthochschule HEAD Genf. Seine Installationen verweben Skulptur, Fotografie und Video und erforschen räumliche und visuelle Verwicklungen. Seine Arbeit beschäftigt sich eingehend mit der Entropie der Moderne und der Rolle der Erinnerung in modernen Gesellschaften.

Partner und Partnerinnen, Sponsoren und Sponsorinnen

Beitragsmittel Finanzdepartement Stadt Zürich; E. Fritz und Yvonne Hoffmann Stiftung;  Erna und Curt Burgauer Stiftung; Bilge and Haro Cumbusyan; Ernst und Olga Gubler-Hablützel Stiftung; ECAL/Ecole cantonale d’art de Lausanne; Fonds cantonal d’art contemporain, DCS, Genève; Goldsmiths, University of London (Department of Art); HEAD Geneva – University of Art and Design, HES-SO; Heinrich Hössli Stiftung; Kanton Solothurn Swisslos-Fonds; Kanton Zürich Swisslos-Fonds; Kulturstiftung des Kantons Thurgau; L’Abri – Genève; Parrotia Stiftung; PCBWay; République et Canton de Genève; SRG SSR (Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft / Société suisse de radiodiffusion et télévision); subventionné par la Ville de Genève; SWATCH; Temperatio Stiftung; Tisca Tischhauser AG

Besonderer Dank an

Archives Contestataires, Genève; bascat; La Becque | Résidence d’artistes; Embassy of Foreign Artists, Genève; Schweizerisches Sozialarchiv; Studio Annina Arter

Der Schweizer Pavillon an der Internationalen Ausstellung La Biennale di Venezia

Die Internationale Kunstausstellung – La Biennale di Venezia findet alle zwei Jahre statt und wechselt sich im Jahresturnus mit der Internationalen Architekturausstellung ab. Die Schweiz nimmt seit 1920 an der Internationalen Kunstausstellung teil, seit 1991 an der Internationalen Architekturausstellung und besitzt ihren eigenen Pavillon in den «Giardini della Biennale di Venezia». Der Schweizer Pavillon in Venedig wurde von dem Schweizer Architekten Bruno Giacometti entworfen und 1951/52 errichtet. Er gehört der Schweizer Eidgenossenschaft.

Pro Helvetia verantwortet die Beiträge im Schweizer Pavillon seit 2012. Die Auswahl für den Schweizer Beitrag für die Kunstbiennale und die Architekturbiennale wechselt zwischen einem Open Call und einem geladenen Wettbewerb.

Kunst- und Kulturschaffende 
Gianmaria Andreetta, Luca Beeler, Nina Wakeford, Miriam Laura Leonardi, Lithic Alliance und Yul Tomatala  

Auftraggeber
Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia: Katharina Brandl, Sandi Paucic, Rachele Giudici Legittimo

Ausstellung
9. Mai bis 22. November 2026

Pre-Opening
6. bis 8. Mai 2026

Besichtigungstermin für die Medien
Mittwoch, 6. Mai 2026, 15:00 Uhr
Online-Anmeldung

Eröffnung
Donnerstag, 7. Mai 2026, 14:30 Uhr

Ort
Schweizer Pavillon, Giardini della Biennale di Venezia   

Medieninformation

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Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia
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+41 44 267 76 28
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Internationale Medien: Pickles PR
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