Synergies: Ausgewählte Projekte 2024

Pro Helvetia Johannesburg, Pro Helvetia New Delhi, Pro Helvetia South America, Art+

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Abstraktes Bild von blauem Hintergrund mit weissen Lichtern
© Jean-Vincent Simonet

Mit Synergies unterstützt Pro Helvetia den forschungs- und prozessorientierten Austausch zwischen Kunst, Wissenschaft und Technologie. Gefördert werden Programme, welche Organisationen aus der Schweiz und dem internationalen Raum zusammenbringen.

Synergies unterstützt internationale Kollaborationen und fördert Programme, die neue Herangehensweisen anwenden und Wissen aus verschiedenen Bereichen zusammenführen.

Die offene Ausschreibung lief von Anfang bis Oktober 2023. Eine transdisziplinäre Fachjury hat elf Projekte ausgewählt, deren vielversprechende Kollaborationen in den kommenden Monaten beginnen werden.

Die elf ausgewählten Projekte sind:

Fluid Boundaries: The Interplay of Water, Art, Science, and Indigenous Knowledge Systems

Diese transdisziplinäre, transkulturelle Kollaboration arbeitet an der Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft und indigenen Wissenssystemen, mit einem starken Fokus auf dekolonialer Praxis. In einem gemeinsamen Raum wird Wasser aus verschiedenen disziplinären und kulturellen Perspektiven untersucht, werden verschiedene Fragen und Methoden zusammengeführt und ein Fluss von Wissen, Weisheit und Praktiken rund um dieses lebensspendende Element geschaffen.   

Das Programm hinterfragt mit den Methoden der multiregionalen Interaktion die gängigen Machtparadigmen und Wissensflüsse in Wissenschaft und Kunst und rüttelt an der herkömmlichen Dichotomie von Zentrum und Peripherie.

Mit einem forschungs- und praxisorientierten Ansatz will das Projekt die Gefühle, Gedanken und Handlungen unserer Beziehungen mit dem Element Wasser erkunden und so die Grundlagen für einen nachhaltigen und gleichberechtigten Zugang legen.

Das 23 Monate dauernde Projekt bringt Kunstschaffende und Forschende in wissenschaftlichen Einrichtungen in den jeweiligen Partnerländern im Rahmen von dreimonatigen Residenzen zusammen. Gespiesen, begleitet, hinterfragt und unterstützt wird dieser Prozess von lokalen indigenen Wissensvermittlerinnen und -vermittlern und lokalen Kuratoren und Kuratorinnen. Zu einem späteren Zeitpunkt werden die internationalen Teilnehmenden in einer zweiwöchigen Residenz in Lugano zusammenarbeiten.

artists-in-labs an der Zürcher Hochschule der Künste (Schweiz),
IBSA Stiftung für wissenschaftliche Forschung (Schweiz),
MASI Lugano (Schweiz),
Visual Identities in Art & Design Research Centre (VIAD) an der Universität Johannesburg (Südafrika),
AiRSA Artist in Residence South Africa (Südafrika),
Portas Vilaseca Galeria (Brasilien),
Universität Western Cape (Südafrika),
Eawag: Eidgenössische Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz (Schweiz),
Water and Health Research Centre an der Universität Johannesburg (Südafrika),
Department of Earth Science, Universität Western Cape (Südafrika),
Oswaldo Cruz Foundation (Brasilien)

Pantha Rhei on the Rhine

Dieses künstlerische und wissenschaftliche Forschungsprogramm befasst sich mit dem Rhein als Metapher und Materialbeweger. Die gewaltige Grösse einer der wichtigsten europäischen Wasserstrassen wird sinnlich erfahrbar durch drei öffentliche Präsentationen von kollaborativen Kunstwerken sowie in Forschungsarbeiten und spezifischen Instrumenten. Das Konsortium vereint wissenschaftliche Flussmodelle und künstlerische Partnerinnen und Partner an der Rheinquelle in der Schweiz und an seiner Mündung in Rotterdam und thematisiert, was dazwischen geschieht.

Drei Klangkunstwerke werden in Listening Sessions und einem Workshop an zwei Standorten am Rhein und in einem Flussforschungslabor öffentlich präsentiert.

Den Kunstwerken zugrunde liegt das Archiv The Library of the River, welches künstlerisches, historisches und wissenschaftliches Material über den Rhein umfasst und zudem Primärquellenmaterial bereitstellt, das mit massgeschneiderten Instrumenten gesammelt wird.  

Museum Erwin Rehmann (Schweiz),
Studio Haseeb Ahmed (USA/Belgien),
V2_ Lab for the Unstable Media (Niederlande),
ECOSPHERE research group, Universität Antwerpen (Belgien)

Bodies-Machines-Publics: A ‘glocal’ network for exploring bodies in the age of computer mediated reality

Im Programm Bodies-Machines-Publics untersuchen Kultur- und Forschungspartnerinnen und -partner in Bern, Zürich, Santiago und Neu-Delhi, wie neue computervermittelte Interaktionstechnologien neue körperliche Erfahrung gestalten. Die Partnerinnen und Partner des Netzwerks – Kornhausforum (Bern), Immersive Arts Space (Zürich), NAVE (Santiago) und Khoj (Neu-Delhi) – werden gemeinsam netzübergreifende Residenzen zwischen experimenteller Kunst und Technologie, hybride Workshops zum Wissensaustausch und Symposien entwickeln.

Ziel dieses «glokalen» Netzwerks, das sich aus Organisationen in der Schweiz, Chile und Indien mit kulturellem, wissenschaftlichem und technologischem Know-how bildet, ist die Durchführung künstlerisch inspirierter Experimente an vier Standorten. Neu aufkommende Technologien wie Sensoren oder Mixed Reality erfassen, reorganisieren und rekonfigurieren menschliche Körper und deren Beziehung zum sozialen Raum.  Das Netzwerk will erkunden, wie menschliche Körper in einem technologischen Umfeld als dynamischer Nexus dienen, an der Schnittstelle zwischen realer und digitaler Welt.

Kornhausforum (Schweiz),
Immersive Arts Space ZHdK (Schweiz),
NAVE (Chile),
Khoj (Indien)

SPATIAL AFFAIRS. Extended Reality Experiences

Durch Performances, die Körper, Raum und Technologie verweben, beleuchtet ein internationales Team von Kunstschaffenden, künstlerisch Leitenden, Kuratorinnen und Kuratoren, Forschenden und Technologiefachleuten den Wandel von Wissensprozessen und Aspekte der verkörperten Interaktion. Im Zentrum des Projekts stehen Anwendungen von Technologien der erweiterten Realität (XR), die ein Verstehen und Erleben unseres sich verändernden Daseins und Zusammenspiels mit anderen technologischen Körpern in einer zunehmend hybriden Welt ermöglichen sollen.

Im Austausch von künstlerischen Praktiken, Kenntnissen, Methoden, Infrastrukturen und Instrumenten will SPATIAL AFFAIRS Synergien und verfolgt ein gemeinsames Ziel:  Die Entwicklung von digitalen Erzählformaten in der virtuellen Realität, hybriden Erfahrungen, Raum-Zeit-Narrativen, räumlichen Geschichten und digitalen Verkörperungen, unter Verwendung der Mixed-Reality-Plattform AIRE.

Die Projektpartnerinnen und -partner planen interdisziplinäre Forschungs- und Kreativprozesse, die neue choreografische, szenografische und performative Prototypen für XR-Erfahrungen hervorbringen sollen. Die resultierenden Erkenntnisse und Prototypen werden auf einschlägigen internationalen Plattformen für Medien- und Bühnenkunst vorgestellt werden.

HEK – Haus der Elektronischen Künste (Schweiz),
MAP – Museum of Art & Photography (Indien),
Tabakalera (Spanien),
Tekniker (Spanien),
​​metaLAB (Schweiz),
iART (Schweiz)

Future Memory Lab

Future Memory Lab ist eine visionäre Residenz, welche mit maschinellen Lernen nach neuen Definitionen von Worldbuilding- und traditionellen Techniken sucht. Das Projekt verbindet indigene Erkenntnislehren, Ñandutí-Textilien und Keramiken mit künstlicher Intelligenz und präsentiert seine Resultate in Ausstellungen in Asunción und Lausanne. Sechs Kunstschaffende aus Südamerika und der Schweiz werden daran teilnehmen, begleitet von renommierten Mentorinnen und Mentoren.

Im Fokus der künstlerischen Residenz steht das Worldbuilding auf der Grundlage historischer, zukünftiger und alternativer Temporalitäten, mit kritischen und experimentellen Ansätzen zur Zusammenarbeit zwischen Menschen und Maschine und zur Entwicklung neuer kreativer Möglichkeiten. Die Residenz wird aus zwei Teilen bestehen: Den Auftakt machen eine Präsenzveranstaltung und ein virtueller Block. Sie münden in zwei Ausstellungen.

Die sechs Kunstschaffenden werden sich in und um Asunción mit Textil- und Keramikarbeiten vertraut machen und sich mit lokalen Vertreterinnen und Vertretern des traditionellen Kunsthandwerks austauschen. Zudem wird die Residenz ein spartenübergreifendes Mentoring durch Fachleute aus Kunst und Technologie anbieten.

Den Anstoss zum Projekt gab die isolierte Positionierung Paraguays im Verhältnis zu historischen Kunstzentren, welche insbesondere inen digitalen Künsten und  im Bereich der KI zu spüren ist. Daraus ergibt sich eine Lücke an  Förder- und Entwicklungsmöglichkeiten für Kulturschaffende und somit auch für Biennalen und andere Veranstaltungen. Ziel ist es, diese Kluft Idurch eine Residenz zu überbrücken, die interdisziplinäre Zusammenarbeit fördert.

Migliorisi Foundation/Art Collections (Paraguay),
Pyxis Exploration Numérique (Schweiz)

Plankton ecosystems – Shaping the narrative of climate change with art and community science practices

Plankton ecosystems ist ein partizipatorisches Kunst-/Wissenschafts-Programm mit Fokus auf Community-Science-Technologien, kollaborativen Kunstformaten sowie erfahrungsbasiertem Lernen über Meeresökologie, Planktonvielfalt und den Schutz der Ozeane. Das Programm ist eine Zusammenarbeit zwischen dem EcoArtLab der Hochschule der Künste Bern (Schweiz), dem European Research Institute (Turin), dem Kunsthaus Pasquart (Biel) und dem LAC Lugano Arte e Cultura (Lugano). Ziel ist das Verstehen und Vermitteln des menschlichen Einflusses auf das marine Ökosystem, beispielsweise durch Versauerung. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie sich vom Menschen verursachte Veränderungen wie der Klimawandel auf die Ozeane auswirken.

Auf der Grundlage künstlerischer Forschung wird sich das Programm mit Überschneidungen zwischen Kunst, Wissenschaft und Technologie befassen und untersuchen, wie Technologie als Vermittlerin für Kontakte und Interaktionen zwischen Menschen und der mikroskopischen Welt von Plankton-Ökosystemen agieren kann. Aufbauend auf einer kritischen Auseinandersetzung mit künstlerischer Forschung thematisiert Plankton Ecosystems die Demokratisierung der Wissensproduktion unter Betrachtung der Wissenschaft als soziale Praxis im Dienst von Gerechtigkeit und Fürsorge und stellt die Frage, welche Rolle hierbei die Zugänglichkeit von Technologie spielt.

Das Projekt besteht aus drei aufeinanderfolgenden, ergebnisoffenen Phasen mit den Schwerpunkten Recherche, Entwicklung und Verbreitung. Abgerundet wird das Programm durch eine Reihe von öffentlichen Veranstaltungen in den Kunstinstitutionen in Biel und Lugano sowie Präsentationen in verschiedenen wissenschaftlichen und künstlerischen Zusammenhängen.

EcoArtLab an der Hochschule der Künste Bern (Schweiz),
European Research Institute (Italien),
Kunsthaus Pasquart (Schweiz),
LAC Lugano Arte e Cultura (Schweiz)

A:Practice — collaborative practices for climate resilience

Ziel dieser Kreativ- und Forschungsresidenz ist die Entwicklung einer praxisorientierten Recherche darüber, wie sich Tanztheater, Agrarökologie, Bodenkunde, Klimawissenschaft und indigene Wissenssysteme zusammenbringen lassen, um daraus A:Practice zu bilden – einen wirkungsvollen Katalog von Methoden, die insbesondere von kulturellen Organisationen, aber auch von Schulen, Familien und Gemeinschaften verwendet werden können, um klimapositive Resilienz zu entwickeln.

Das Programm strebt eine tiefgründige Reflexion und einen intensiven Austausch an. Es setzt aufkunstbasierte Prozesse, verkörpertes Lernen, Storytelling und Dramaturgie in Kombination mit ökologischem, wissenschaftsbasiertem Wissen zur faktischen Untermauerung. Klimabezogene Kommunikation ist oftmals unzugänglich und schwer greifbar. Die Residenz soll helfen, diese Hürden zu überwinden, indem zugelassen wird, dass Kunstschaffen von empirischer Wissenschaft beeinflusst wird.

KlimaKontor (Schweiz),
The Forgotten Angle Theatre Collaborative (FATC) (Südafrika)

Life between ebb and flow

Dieses hybride Residenz- und Forschungsprojekt lädt Kreative aus Kenia und der Schweiz  ein, sich mit Mangroven-Ökosystemen im kenianischen Lamu auseinanderzusetzen. Ziel ist es, Ideen für ein harmonisches Zusammenleben von Menschen und Umwelt zu sammeln. Die Kunstschaffenden werden recherchieren und ihre Erkenntnisse in verschiedene kreative, von Wissenschaft und Technologie gespiesene Formate einfliessen lassen. Das Projekt propagiert Peer-Learning, transformative Wissensproduktion und kollektives Handeln über Kontinente hinweg. Die übergeordnete Fragestellung der transdisziplinären Forschung lautet: Welche ästhetischen, ökologischen, wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Fugen, Grenzbereiche und Nischen spiegeln Mangroven wider? Und was können wir aus Mangroven-Ökosystemen für alternative Lebensformen auf der Erde lernen?

Das Projekt beleuchtet das Thema der Mangroven aus metaphorischer, künstlerischer und theoretischer Sicht. Indem es Vorstellungen von Fortschritt und Nachhaltigkeit neu betrachtet, will es an vorgefassten Ideen rütteln und zu Diskussionen anregen, namentlich über Themen wie Kohabitation, Natur, Umweltschutz, Lebensgrundlagen oder Wurzeln. Der forschungs- und prozessorientierte Ansatz des Programms bildet die Grundlage für exploratorische und experimentelle Aktivitäten der Teilnehmenden, gegliedert in fünf Phasen: Erkunden, Experimentieren, Zusammenführen, Kultivieren und Befruchten.

Planisphere (Schweiz),
Kuchanua (Schweiz),
Lamu Youth Alliance (Kenia)

River Landscapes: A new glossary for rivers as water landscapes of multicultural and multispecies relationships

River Landscapes befasst sich mit der kapitalistischen Sprache, die zur Beschreibung von Wasserläufen verwendet wird, und erstellt ein neues, dekolonisiertes Glossar, das Flüsse als autonome Wasserlandschaften begreift. Die Grundlage des Projekts bilden eine Reihe von lokal verankerten, hybriden Dialogen zwischen dem Kernteam und eingeladenen Flussfachleuten aus Wissenschaft, Kunst und indigenen Kontexten aus Europa und Südasien. Die Dialoge werden von einem öffentlichen Programm begleitet. Das Glossar wird in Form einer digitalen Open-Source-Plattform veröffentlicht werden.

Seit der Regulierung von Flüssen in der Mitte des 19. Jahrhunderts haben sowohl die Vielfalt an Pflanzen und Tieren in diesen Lebensräumen als auch die kulturellen Interaktionen zwischen Menschen und Flüssen stetig abgenommen. Die Universalisierung von Flüssen als nutzbare Wasserwege schlug sich in der Sprache von Staudammingenieuren und Wasserkommissionen in den Kolonien nieder und rechtfertigte massive Eingriffe an Flussläufen. Die dazu erforderliche Technologie wurde bald weitherum zugänglich und verbreitete sich von einem Flusssystem zum anderen, von Rhein zum Mississippi bis zum Ganges und zum Indus. Um Flüsse wieder primär als ineinander verwobene Natur- und Kulturlandschaften zu sehen und zurückzuerlangen, was verloren gegangen ist und weiterhin verloren geht, braucht es eine neue Sprache.

Für das aus ihren Recherchen resultierende Glossar werden die Projektpartner eine digitale Open-Source-Plattform aufbauen. Auf ihr sollen Sprachen und Erkenntnisse aus Kunst, Wissenschaft und indigenen Praktiken zusammenfliessen und so die Sicht dessen erweitern, was als Wissen zählt.

Am Ende sollen das Glossar und seine Methodiken ein Musterprojekt bilden, dass in Zukunft auch auf andere künstlerische, wissenschaftliche und programmatische Kollaborationen rund um Gewässer ausgeweitet werden könnte.

We Are AIA – Awareness in Art (Schweiz),
Toxic Links (Indien),
Citizens Archive of Pakistan (Pakistan),
Universität Zürich (Schweiz),
Science Gallery Bengaluru (Indien),
ILEA – The Institute for Land and Environmental Art (Schweiz),
Prameya Art Foundation (Indien)

Imagining Technologies Otherwise

Imagining Technologies Otherwise hinterfragt koloniale, modernistische und solutionistische Sichtweisen. Die Kollaboration des Think & Do-Tanks Dezentrum, der feministischen Plattform Futuress, des Kollektivs Dreaming Beyond AI und des Kollektivs Materia Oscura bringt zwölf Teilnehmende mit verschiedenen disziplinären und kulturellen Hintergründen zusammen. Sie werden über Technologien jenseits von dominierenden Narrativen zu reflektieren und im Rahmen von Online-Seminaren, eines öffentlichen Schulungsprogramms und eines physischen Festivals drängende gesellschaftspolitische Fragestellungen angehen.

Westliche Gesellschaften haben einen Mythos rund um Technologie geschaffen, der diese als unvoreingenommenes, objektives Werkzeug darstellt. Tatsächlich tragen jedoch viele technologische Weiterentwicklungen dazu bei, soziale Ungleichheiten, welche beispielsweise auf Ableismus, Klassismus, dem Cis-Hetero-Patriarchat oder Rassismus basieren, aufrechtzuerhalten und zu verschärfen.

Das siebenmonatige Programm vereint verschiedene Bereiche der Wissensproduktion – von Anthropologie über Design, Coding und Journalismus bis zu Geschichte–, um interdisziplinäre und transnationale Kollaborationen zu vertiefen.

Bei der Auswahl der Teilnehmenden wurde insbesondere darauf geachtet, im Diskurs Kunst-Technologie-Wissenschaft unzureichend vertretene Gruppen zu berücksichtigen, wie Womxn, non-binäre Personen, BIPoC, LGBTQIA+, Menschen mit Behinderungen sowie Migrantinnen und Migranten.

Die Teilnehmenden werden sich mit Technologiekonzepten und Gegennarrativen aus ihren jeweiligen Hintergründen auseinandersetzen, dies unter Anwendung anthropologischer und feministischer Storytelling-Methoden, wie visueller und Autoethnografie oder Oral History. Ihre Recherchen werden in journalistische, fiktionale oder künstlerische Werke in unterschiedlichen Medien münden, von Klang- und Online-Installationen über Videos, interaktive Medien und Musik bis zu visuellen Künsten. Zugänglich gemacht werden ihre multidimensionalen Annäherungen online, als gedruckte Publikation sowie im Rahmen eines zweitägigen Festivals.

Dezentrum (Schweiz),
Materia Oscura (Kolumbien),
Dreaming Beyond AI (Deutschland),
Futuress (Schweiz)

Archipelago: Art and Science Investigations in Times of Unstable Knowledge

Angesichts der Diskussion über das Anthropozäns als neue geologische Epoche propagiert dieses Projekt eine standortübergreifende Forschungszusammenarbeit zwischen der Schweiz, Frankreich und Japan zu Fragen der Resilienz, der Zirkularität und des Übergangs zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft. Ein besonderer Fokus gilt Makro- und Mikrosystemen, mikrobiellen Welten sowie funktioneller und evolutionärer Ökologie.

Das 20-monatige Forschungsprogramm beginnt in Zürich mit einer Reihe von öffentlichen Tagungen, gefolgt von Treffen zum Wissensaustausch, Laborbesuchen, Recherchereisen und öffentlichen Veranstaltungen. Es wird durch kreative Klausuren in der Schweiz und Frankreich abgerundet.

Die kritische Reflexion über den Eintritt ins Anthropozän beleuchtet als erstes die die Bedeutung von Algen und Cyanobakterien auf unserem Planten in dessen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Einen zweiten Schwerpunkt bilden die Auswirkungen der Debatte und Beschlüsse des Internationalen Geologiekongress’ im Sommer 2024 sowie die Entscheidung, die «Grosse Beschleunigung» der 1950er-Jahreals Startpunkt der Epoche des Anthropozäns auszuwählen.

Selbstreflexion, das Hinterfragen verwendeter Methoden und die Pluralität des Handelns und Wissens sind in den Künsten von grosser Bedeutung. Die entsprechenden Kenntnisse und Praktiken werden in einem Zeitalter der Instabilität des Wissens immer wertvoller.

Art2M (Frankreich),
Multicellular Marine Models lab – CNRS – Sorbonne Université (Frankreich),
Schweizerische Gesellschaft für Mechatronische Kunst (Schweiz),
We Are AIA – Awareness In Art (Schweiz),
Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen der ZHAW (Schweiz),
Agroscope – Kompetenzzentrum des Bundes für landwirtschaftliche Forschung (Schweiz),
FHNW Institute Experimental Design and Media Cultures (Schweiz),
Algaltek (Schweiz),
Hackteria (Schweiz),
Symbiont Art Space (Schweiz),
Teti Group (Schweiz),
Kanazawa 21st Century Museum of Contemporary Art (Japan),
metaPhorest bioart and bioaesthetics platform an der Waseda Universität (Japan),
Bioclub Tokyo (Japan),
Sonda Studio (Japan),
Schweizer Botschaft in Japan,
Swissnex in Japan

Die Jury:

Zur Jury, die über die eingereichten Projekte befand, gehörten:

  • Lilian Fraiji, Kuratorin, Leiterin des LabVerde, Brasilien
  • Ariane Koek, Initiatorin und ehemalige Leiterin von Arts at CERN, freischaffende Beraterin in den Bereichen Kunst, Wissenschaft und Technologie, Grossbritannien
  • Radha Mahendru, Kuratorin und Kunstmanagerin, Indien
  • Luc Meier, Direktor von La Becque, Schweiz
  • Ga Zhang, Kurator für Medienkunst, Professor und Vizedekan am Institute of Sci-Tech Arts, Central Academy of Fine Arts, China